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Blockchain: Potenzial im Zahlungsverkehr mit Fremdwährungen

Veröffentlicht am 06.10.2017

Zahlungen zwischen Banken und Finanzdienstleistern laufen bislang ausschließlich über die etablierten Zahlungsverkehrssysteme. Im internationalen beziehungsweise Fremdwährungszahlungsverkehr zählen dazu das TARGET2-System sowie das Korrespondenzbankgeschäft (SWIFT) mit jeweils eigener Infrastruktur. Hat das Blockchain-Konzept das Potenzial, die heutigen Systeme abzulösen?

SWIFT: Nachrichtenvermittler im Zahlungsverkehr

Der Zahlungsverkehr mit Fremdwährungen wird im sogenannten Korrespondenzbankgeschäft abgewickelt. Dazu schalten die Banken des Schuldners und des Empfängers der Zahlung den Nachrichtenvermittler SWIFT ein. SWIFT stellt die Infrastruktur und das Format zur Übermittlung der Zahlungsnachrichten. Verbucht wird der Transfer über Zahlungsverkehrssysteme wie TARGET2 oder Korrespondenzbankkonten, die Finanzinstitute füreinander führen. Folgende Grafik zeigt den Nachrichtenfluss zwischen den Instituten via SWIFT in einem einfachen Fall.

Korrespondenzbankgeschäft via SWIFT (einfach)

Korrespondenzbankgeschäft via SWIFT (einfach)

Die Banken A und B bedienen sich derselben Korrespondenzbank. Über SWIFT sendet A der Korrespondenzbank eine Nachricht. Die Korrespondenzbank benachrichtigt B und schreibt dieser den Geldbetrag gut. B stellt den Betrag auf das Konto des Zahlungsempfängers.

Arbeiten A und B mit verschiedenen Korrespondenzbanken, so verlängert sich die Zahlungskette, bis sie ein Institut erreicht, das ein Konto bei der Korrespondenzbank von B unterhält.

Korrespondenzbankgeschäft via SWIFT (komplex)

Korrespondenzbankgeschäft via SWIFT (komplex)

Die reine Nachrichtenübertragung zwischen den Banken dauert im SWIFT-Netz nur wenige Sekunden. Zeitverschiebung, Umrechnung und sonstige interne Bankprozesse können die Weiterleitung sowie die Gutschrift der Zahlung an den Empfänger jedoch um mehrere Tage verzögern.

Funktionsprinzip der Blockchain

Eine Blockchain ist eine verteilte Datenbank. Transaktionen werden dabei in Datenblöcken abgebildet. Diese liegen nicht auf einem zentralen Rechner, sondern auf den Zugangsgeräten der Teilnehmer. Neu ist an diesem Konzept, dass es ohne Vermittler auskommt, weil nur die Nutzer die verketteten Datenblöcke prüfen und speichern.

Das Potenzial der Blockchain zeigt folgendes Beispiel: Die Daimler AG hat über die LBBW bei anderen Instituten ein Schuldscheindarlehen von hundert Millionen Euro mit einjähriger Laufzeit platziert. Vom Vertragsabschluss bis hin zur Rückzahlungsbestätigung wurden alle Prozessschritte in einer Blockchain erfasst. So ließ sich die Bearbeitung durch Automation beschleunigen und kostengünstiger darstellen.

Das Blockchain-Prinzip im Zahlungsverkehr

Das Blockchain-System bildet jede Zahlungsverkehrsnachricht als Datenblock ab, den es den Transaktionspartnern (Schuldner, Gläubiger, Korrespondenzbank) zur Prüfung zusendet. Sind die Partner einverstanden, wird der neue Block der Kette angehängt. So bleiben alle Transaktionen nachvollziehbar. Dabei wird das Geld dem Sender belastet und dem Empfänger gutgeschrieben.

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain (einfach)

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain (einfach)

Den technischen Vorteil der Blockchain verdeutlicht erst ein komplexeres Beispiel. Je größer die Zahl der Mitwirkenden, desto kompliziert ist der Vorgang im SWIFT-Standard. Bei einer Blockchain hingegen können alle Partner die Transaktion zur selben Zeit sehen und bestätigen. Der Geldbetrag wird den Konten bei den Korrespondenzbanken parallel belastet beziehungsweise gutgeschrieben und der Vorgang dadurch stark beschleunigt.

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain (komplex)

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain (komplex)

Blockchain-Lösungen im Zahlungsverkehr mit Fremdwährungen

Das Fintech Ripple setzt die verketteten Datenblöcke bereits im Zahlungsverkehr mit Fremdwährungen ein. Die Transaktionen sind in Sekundenbruchteilen zu geringen Kosten vollzogen. Laut Aussage der Firma ist ihr Netz auf Volumina ausgelegt, wie sie der Zahlkartenanbieter Visa verarbeitet. Ripple bietet Banken unterschiedliche Modelle an. Entweder setzen sie nur die Blockchain-Technik ein oder kombinieren diese mit Kryptogeld. Mit XRP emittiert Ripple zudem eine eigene Kryptowährung.

Ripple transferiert keine realen Geldwerte, sondern gibt Schuldscheine (IOUs) oder XRP als Nachweis der Zahlungsansprüche aus. Bei autorisierten Finanzdienstleistern, Gateways genannt, kann der Empfänger Schuldscheine oder XRP in Fiatwährungen wie Euro oder Dollar eintauschen.

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain mit Kryptowährung XRP

Korrespondenzbankgeschäft via Blockchain mit Kryptowährung XRP

Je mehr Banken als Gateways fungieren, desto einfacher lassen sich Gelder ohne direkte Verbindung zwischen den Konten übertragen. Die Institute brauchen bei Ihren Korrespondenzbanken keine Liquidität mehr vorzuhalten. Allerdings gilt es, sich gegen die Risiken abzusichern, die eine Kryptowährung mit sich bringt.

Santander UK hat sich schon 2016 auf Ripple eingelassen. Per App können Mitarbeiter bis zu 10.000 Pfund Sterling in 21 Länder überweisen.

Zukunft der Blockchain

Die Finanzindustrie hat das Potenzial der Blockchain erkannt. SWIFT etwa hat dazu das Programm „global payment innovation“ (gpi) aufgelegt. Und im Konsortium R3 haben sich mehrere Dutzend Banken zusammengeschlossen um die Möglichkeiten der Blockchain weiter auszuarbeiten. Eine Allianz um Deutsche Bank und UBS arbeitet an einer eigenen Kryptowährung.

Ob sich die Blockchain durchsetzt, hängt vor allem davon ab, dass Banken und Fintechs es schaffen, weitere Einsatzfelder zu erschließen und die übrigen Markteilnehmer zum Mitmachen zu motivieren.

Mit langjähriger Erfahrung steht Consileon Ihnen bei Herausforderungen und Chancen der Blockhain-Technik zur Seite. Gerne unterstützen wir Sie bei der Bewertung der unterschiedlichen Handlungsoptionen und begleiten Sie bei der Gestaltung von Prozessen und Produkten. Sprechen Sie uns an!

Autoren: Theodora Trah, Thomas Reicks

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