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Fintechs im Zahlungsverkehr: Revolution vertagt

Veröffentlicht am 10.08.2017

Im Zahlungsverkehr suchen Handel und Verbraucher einfache, schnelle, transparente und kostengünstige Lösungen. Diesen Wunsch können Banken nur bedingt erfüllen. Somit überrascht es kaum, dass sich in diesem Marktsegment mittlerweile diverse Fintechs etabliert haben. Mit digitaler Innovation stellen sie die traditionelle Wertschöpfungskette des Zahlungsverkehrs in Frage.

Marktüberblick

Wie die folgende Grafik illustriert, lässt sich der deutsche Fintech-Markt grob vier Segmenten zuordnen:

Der Zahlungsverkehr ist für spezialisierte Anbieter besonders lukrativ. Hier engagieren sich 70 der 346 in Deutschland aktiven Fintechs. [1] Neben alternativen Bezahlverfahren gehört dazu das Teilsegment Blockchain und Kryptowährungen.

Die von Fintechs angebotenen Alternativlösungen für den Zahlungsverkehr sind in der Regel ansprechend gestaltet und intuitiv zu benutzen. Dadurch erhöhen sich die wahrgenommene Transaktionsgeschwindigkeit und die Kundenzufriedenheit. Barzahlen.de etwa ermöglicht die Barzahlung von Online-Einkäufen. Und sogenannte Mobile-Payment-Lösungen verwendeten 2016 in Europa bereits 64 Millionen Verbraucher, zehn Millionen mehr als im Vorjahr. [2]

Im Schnitt aber fällt die Leistung der Fintechs nur befriedigend aus. Einzelne Anbieter überzeugen, darunter Barzahlen, Giropay, N26 und Sofortüberweisung. Sie punkten vor allem mit leicht verständlichen Diensten, modernen, nutzerfreundlichen Oberflächen, einer großen Zahl an Kooperationspartnern sowie der vom Nutzer empfundenen Sicherheit.

Kritikabel sind hingegen vor allem die komplizierte Anmeldung und die schwer auffindbaren Kontaktdaten. Gerade solche Feinheiten können auf dem hart umkämpften Zahlungsverkehrsmarkt den Ausschlag geben, wie das Ausscheiden der Anbieter Click-and-Buy, Cookies, Paymill und Yapital verdeutlicht.

Ein-Produkt-Strategie

Bei aller Vielfalt haben nahezu alle Fintechs eines gemeinsam: den Fokus auf ein einzelnes Zahlungsverkehrsprodukt. Dies zeigt die folgende Tabelle:

Zahlungsverkehr Fintech

Den Kunden wäre am liebsten, sie könnten alle Zahlungen über denselben Anbieter leisten. Daran gemessen, wird unter den derzeit aktiven Fintechs keines den Markt revolutionieren. Dies gelang seinerzeit allein dem Vorreiter Paypal. Trotzdem können sich weitere Fintechs am Markt behaupten, wie das Beispiel Sofortüberweisung zeigt. Händler unterstützen neue Zahlungsmodi, sofern diese eine günstige und bequeme Alternative zu gängigen Verfahren darstellen. Der verhaltende Start [3] von Paydirekt bestätigt nur, dass die Kunden echte Innovationen erwarten.

Fazit

Gesucht wird nach wie vor eine einfache, schnelle, sichere Lösung für den Zahlungsverkehr auf allen Kanälen. Doch die Fintechs konzentrieren sich noch immer auf einzelner Aspekte der Wertschöpfungskette. Sowohl die Verbraucher wie der Handel signalisieren Interesse an ganzheitlichen Lösungen. Machbar wären diese beispielsweise durch Bündelung der Angebote mehrerer Fintechs oder durch Ausbau aktueller Produkte zu einem lückenlosen Funktionsspektrum. Mithin dürfte die nächste Revolution im Zahlungsverkehr weniger von den Fintechs ausgehen als von bekannten Technologieunternehmen wie Apple, Google, Facebook. Oder von den Banken selbst.

Autoren: Thomas Reicks, Raphael Kellner

[1]http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Internationales_Finanzmarkt/2016-11-21-Gutachten-Langfassung.pdf?__blob=publicationFile&v=1

[2]https://www.it-finanzmagazin.de/gft-studie-mobile-payment-aktuelle-marktanalyse-auswirkungen-und-empfehlungen-fuer-den-bankensektor-36835/

[3] Nur 100.000 Transaktionen seit Marktstart Ende 2015 gegenüber 1,8 Mrd. allein in Q4/16 bei Paypal, http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/online-bezahldienst-paydirekt-kaempft-um-akzeptanz/19408510.html

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