„Es wird einen Informationskrieg geben.“

Der Cyber-Security-Chef von Consileon, Jan Oetting, vermutet, dass vor allem eine Säule der kritischen Infrastruktur gefährdet ist: Kommunikation und Medien. Warum wir diesen Bereich besonders gut vor Hackerangriffen schützen sollten, erklärt er hier.

Viel wird derzeit über Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur spekuliert. Man hat Angst davor, dass Wasserversorgung und Kraftwerke manipuliert werden könnten. „Natürlich sollten überall die Cyber-Schutzschilde hochgefahren werden, überall müssen IT-Mitarbeiter ihre IT-Systeme auf typische Angriffsmuster überwachen“, sagt IT-Berater Jan Oetting. „Aber die Frage ist doch, was würde es Putin nützen, wenn ein Stromnetz für ein paar Stunden abgeschaltet wird. Der Schaden wäre nur zeitlich begrenzt und hätte vermutlich keine langfristigen Wirkungen. Was Putin aber wirklich interessiert, ist seine Sicht auf die Dinge darzustellen.“

Social-Media-Liebling gegen Kriegspropagandist

Schon heute erhalten wir sehr unterschiedliche Zahlen von ukrainischer und russischer Seite, was die Toten und Verletzten angeht. Unabhängige Instanzen können weder die eine noch die andere Zahl prüfen und bestätigen. Es liegt auf der Hand, dass jede Seite seine Angaben nutzt, um Emotionen zu erzeugen – die eine, um den ukrainischen Widerstand moralisch zu stützen, die andere, um ihren Erfolg bei militärischen Operationen zu betonen.
„Putin“ und „Selenskyj“ belegen zwar beide regelmäßig die vorderen Ränge bei den Twitter-Trends und bei Suchanfragen. Aber an der Social-Media-Front hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eindeutig die Nase vorn. Seine kleinen Handyvideos und Nachrichten auf ukrainisch, englisch und russisch werden millionenfach auf Twitter und Facebook gelikt und geteilt. Die westlichen Medien verbreiten und interpretieren sie tagtäglich. Dem Politiker kommen dabei neben anderem auch seine Schauspielausbildung und Medienaffinität zugute. Er verfügt über die Gabe, Botschaften in kurze, emotionale Worte zu verpacken. Das hinterlässt große Wirkung bei den Menschen.

Dagegen sieht Wladimir Putin eher unspektakulär aus. Ein älterer, blasser Mann mit kleinen Augen und aufgedunsenem Gesicht. Der Rückhalt in der russischen Bevölkerung schwindet. Immer mehr Menschen in Russland gehen trotz angedrohter Geld- und Haftstrafen auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren. Immer mehr junge russische Männer desertieren oder versuchen das Land zu verlassen, um nicht vom Militär eingezogen zu werden… Putins Sätze sind hart und umständlich formuliert. Die Social-Media-Leichtigkeit seines Kontrahenten scheint ihm zu fehlen. Alle Welt hängt an den Lippen von Selenskyj, Putin hört man jedoch nicht so gern zu. Das ärgert ihn vermutlich ziemlich…