Facebook will eine eigene Währung konzipieren, damit sich alle Friends  untereinander Geld schicken können. Amazon bietet eine eigene Kreditkarte an, einen eigenen Zahlungsdienst und Kredite für Kleinunternehmen. Das nächste Projekt des Internetgiganten ist ein eigenes Amazon-Girokonto für junge Kunden in Kooperation mit einer Bank wie J. P. Morgan. Und auch Google oder Apple fällt bestimmt bald etwas Neues zum Finanzmarkt ein. Die Internetriesen nutzen ihre Reichweite und ihre Datenmenge, um den Finanzmarkt vom Netz aus zu erobern. Sie setzen künstliche Intelligenz und konsequentes CRM ein und sprechen die junge Zielgruppe modern an. Auf die Kosten für eine Banklizenz und die Regulatorik, die das mit sich zieht, verzichten sie lieber. Der große Vorteil, den unsere  Banken (noch) haben, sind die Zahlungsdaten, die sie über ihre Kunden haben. Diese sind sehr viel aussagekräftiger, weil sie auf verlässlichen Fakten beruhen.

Die Finanzinstitute können jedoch schlagkräftig auf den Angriff der Internetriesen reagieren, wenn sie ihren großen Kundenstamm und ihre Infrastruktur nutzen, um selbst zur Plattform zu werden.

Eine Plattformierung  lohnt sich für die Banken aus mehreren Gründen.

Sie können ihre Plattform für gute Fremdangebote zu guten Konditionen öffnen. Banken können ihre Kundenkontakte und den Zugang dazu zu einem neuen Geschäftsmodell machen. Die Plattformisierung  und das Öffnen mit Programmschnittstellen werden ohnehin bald erforderlich sein – die immer strengeren EU-Finanzrichtlinien wünschen  mehr Transparenz. Jede Bank, die sich jetzt schon in diese Richtung bewegt, wird später den Wettbewerbern voraus sein.