Ein Interview mit Dr. Jörg Schlösser und Sebastian Wagmann über die Entwicklung der KI-Compliance-Lösung

Regulatorische Anforderungen werden zunehmend komplexer und stellen Unternehmen vor große operative Herausforderungen. Mit dem Consileon Compliance Manager hat Consileon eine Lösung entwickelt, die weit über klassisches Monitoring hinausgeht und den gesamten Compliance-Prozess unterstützt. Doch wie ist das Produkt entstanden, und was steckt heute konkret dahinter? Darüber sprechen wir mit Dr. Jörg Schlösser, Geschäftsbereichsleiter Software Solutions, und Sebastian Wagmann, Product Owner Consileon Compliance Manager, die die Entwicklung maßgeblich geprägt haben. Im Interview geben sie Einblicke in die Vision, die Funktionen und den Mehrwert der Lösung für Unternehmen.

Herr Dr. Schlösser, Herr Wagmann, warum haben Sie sich entschieden, das „Regulatorik Radar“ umzubenennen?

Dr. Jörg Schlösser:
Der ursprüngliche Name „Regulatorik Radar“ stammt aus einer frühen Phase der Produktentwicklung. Damals lag der Fokus stark auf der Beobachtung und Analyse regulatorischer Entwicklungen, also tatsächlich auf einem „Radar“. Inzwischen hat sich das Produkt jedoch deutlich weiterentwickelt.

Sebastian Wagmann:
Heute sprechen wir von einer umfassenden Plattform, die weit über das reine Monitoring hinausgeht. Wir decken den gesamten Compliance-Prozess ab: von der Identifikation relevanter Regulatorik über die Ableitung individueller Anforderungen bis hin zur automatisierten Prüfung und zum Reporting. Der neue Name Consileon Compliance Manager trägt diesem erweiterten Anspruch Rechnung.

Was genau steckt hinter dem Consileon Compliance Manager?

Sebastian Wagmann:
Im Kern ist es eine modulare, KI-gestützte Lösung zur Bewältigung regulatorischer Anforderungen. Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, eine Vielzahl an Vorschriften effizient umzusetzen und gleichzeitig revisionssicher zu dokumentieren. Genau hier setzen wir an.

Dr. Jörg Schlösser:
Der Compliance Manager übernimmt dabei einen Großteil der operativen Arbeit: Er analysiert regulatorische Texte, übersetzt diese in konkrete Anforderungen für das Unternehmen und prüft automatisiert, ob bestehende Dokumente, Verträge und Prozesse diesen Anforderungen entsprechen. Das reduziert den manuellen Aufwand erheblich.

Der Einsatz von KI spielt eine zentrale Rolle – warum taucht das nicht im Namen auf?

Dr. Jörg Schlösser:
Das ist eine bewusste Entscheidung. KI ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, das wir sehr gezielt als einen Baustein innerhalb eines umfassenderen Prozesses einsetzen. Der eigentliche Mehrwert entsteht nicht durch die Technologie allein, sondern dadurch, dass wir die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um KI im Compliance-Umfeld überhaupt zuverlässig nutzbar zu machen – also durch strukturierte Prozesse, kuratierte regulatorische Inhalte und eine konsequente Qualitätssicherung.

Sebastian Wagmann:
Unser Fokus liegt klar auf dem Ergebnis für den Kunden. Wir kombinieren verschiedene funktionale Module, regulatorisches Wissen und den Einsatz mehrerer spezialisierter KI-Modelle zu einem durchgängigen System. Am Ende geht es nicht darum, dass irgendwo „KI“ draufsteht, sondern dass Compliance effizienter, nachvollziehbarer und qualitativ hochwertiger umgesetzt werden kann. Genau dafür steht der Name Consileon Compliance Manager.

Welche konkreten Funktionen bietet der Compliance Manager?

Sebastian Wagmann:
Die Lösung besteht aus mehreren funktionalen Modulen, die ineinandergreifen:

Dr. Jörg Schlösser:
Wichtig ist: Diese Module sind nicht isoliert, sondern Teil eines durchgängigen Prozesses. Genau das macht den Unterschied zu vielen Einzellösungen im Markt.

Für welche Branchen ist der Compliance Manager gedacht?

Dr. Jörg Schlösser:
Ursprünglich hatten wir einen starken Fokus auf die Finanzbranche, etwa mit Themen wie DORA oder MaRisk. Mittlerweile haben wir das Produkt bewusst geöffnet.

Sebastian Wagmann:
Heute adressieren wir unterschiedliche Branche: von Finanzdienstleistern über kritische Infrastrukturen bis hin zur Pharmaindustrie. Das gelingt durch unsere modulare Regulatorik-Bibliothek, die verschiedene Regelwerke wie DORA, NIS-2, MaRisk, GDP oder GMP abbildet und flexibel erweitert werden kann.

Was unterscheidet den Compliance Manager von klassischen Compliance-Tools?

Sebastian Wagmann:
Viele klassische Lösungen sind stark dokumentationsgetrieben oder unterstützen primär die Verwaltung von Anforderungen. Unser Ansatz ist ein anderer: Wir automatisieren die inhaltliche Arbeit.

Dr. Jörg Schlösser:
Das bedeutet konkret: Die Software liest und versteht regulatorische Texte sowie Unternehmensdokumente und führt eigenständig Analysen durch. Das ist ein qualitativer Sprung. Der Mensch bleibt in der Kontrolle, aber die zeitintensive Vorarbeit übernimmt die Maschine.

Wie läuft die Einführung in einem Unternehmen ab?

Sebastian Wagmann:
Wir starten mit den relevanten Regelwerken und richten das System auf die spezifischen Anforderungen des Unternehmens aus. Danach können direkt Dokumente und Verträge analysiert werden.

Dr. Jörg Schlösser:
Wichtig ist uns ein pragmatischer Ansatz: schnelle Einsatzfähigkeit, klare Ergebnisse und eine nahtlose Integration in bestehende Prozesse. Die Nutzer sollen möglichst schnell einen echten Mehrwert sehen.

Welche Rolle spielt das Thema Nachweisbarkeit gegenüber Aufsichtsbehörden?

Dr. Jörg Schlösser:
Eine zentrale Rolle. Es reicht heute nicht mehr, compliant zu sein. Man muss es auch jederzeit belegen können.

Sebastian Wagmann:
Deshalb legen wir großen Wert auf revisionssichere Dokumentation und nachvollziehbare Ergebnisse. Jede Analyse, jede Empfehlung der KI ist begründet und transparent. Das erleichtert sowohl interne Prüfungen als auch die Kommunikation mit Aufsichtsbehörden.

Zum Abschluss: Was ist Ihr Anspruch an den Consileon Compliance Manager?

Sebastian Wagmann:
Wir wollen Compliance von einer reaktiven Pflichtaufgabe zu einem steuerbaren, effizienten Prozess machen.

Dr. Jörg Schlösser:
Und vor allem: Wir wollen Fachbereiche spürbar entlasten. Wenn weniger Zeit für manuelle Prüfungen aufgewendet werden muss, entsteht Raum für die wirklich wichtigen Themen – strategische Fragestellungen und unternehmerische Entscheidungen.

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Vom Technologie-Hype zur strategischen Unternehmensfähigkeit

Künstliche Intelligenz erreicht 2026 einen neuen Reifegrad. Nach einer Phase intensiver Experimente und hoher Erwartungen verschiebt sich der Fokus deutlich. Nicht mehr die technische Machbarkeit steht im Vordergrund, sondern die Frage, wie KI strukturiert, kontrolliert und nachhaltig in Unternehmen verankert werden kann.

KI wird damit von einer Innovationsinitiative zu einer dauerhaften Management- und Führungsaufgabe. Für Unternehmensberatungen wie Consileon bedeutet das, technologische Entwicklung konsequent mit Governance, Organisation, Prozessen und regulatorischer Sicherheit zu verbinden.

1. Agentische KI und autonome Systeme verändern Prozesse grundlegend

Ein wesentlicher technologischer Trend für 2026 ist der Übergang von assistierender zu agentischer KI. KI-Systeme agieren zunehmend nicht mehr nur reaktiv, sondern übernehmen eigenständig Aufgaben, treffen Entscheidungen innerhalb definierter Rahmen und steuern komplette Prozessketten. Solche agentischen Systeme koordinieren etwa Vertriebsaktivitäten, priorisieren Serviceanfragen oder lösen Folgeprozesse automatisch aus. Der Nutzen entsteht dabei weniger aus einzelner Automatisierung, sondern aus der End-to-End-Optimierung von Abläufen.

Gleichzeitig steigt damit der Bedarf an klaren Steuerungsmechanismen, denn je autonomer KI agiert, desto wichtiger werden Governance, Transparenz und die Eingriffsmöglichkeiten des Menschen.

2. Multimodale und größere KI-Modelle schaffen neuen Kontext

Parallel dazu entwickeln sich KI-Modelle weiter in Richtung Multimodalität und Leistungsfähigkeit. Modelle, die Text, Sprache, Bilder und zunehmend auch Videos gemeinsam verarbeiten, eröffnen neue Anwendungsmöglichkeiten entlang komplexer Geschäftsprozesse.

2026 geht es dabei weniger um immer größere Modelle um ihrer selbst willen, sondern um deren gezielte Einbettung in Unternehmenskontexte. Unternehmen stehen vor der Aufgabe, diese Leistungsfähigkeit nutzbar zu machen, ohne Komplexität und Kosten unkontrolliert steigen zu lassen. Die Auswahl geeigneter Modelle, ihr sicherer Betrieb und ihre Integration in bestehende Systemlandschaften werden damit zu zentralen Architekturentscheidungen.

3. Mensch-KI-Kooperation als Erfolgsfaktor

Trotz zunehmender Autonomie bleibt der Mensch auch 2026 ein zentraler Bestandteil erfolgreicher KI-Nutzung. Der Fokus verschiebt sich von der Frage, ob KI Menschen ersetzt, hin zur Gestaltung einer wirksamen Mensch-KI-Kooperation. KI übernimmt analytische, repetitive oder vorbereitende Aufgaben, während Menschen Verantwortung für Bewertung, Kontext und Entscheidung tragen.

Diese Zusammenarbeit erfordert klare Rollenbilder, Vertrauen in die Systeme sowie die Fähigkeit, KI-Ergebnisse kritisch zu hinterfragen. Unternehmen investieren daher gezielt in Qualifizierung und Veränderungsmanagement, um KI als produktiven Partner im Arbeitsalltag zu etablieren.

4. KI-Governance wird zur Voraussetzung für Skalierung

Mit steigender Leistungsfähigkeit und Autonomie von KI rückt Governance stärker in den Mittelpunkt. 2026 erkennen Unternehmen, dass unkoordinierte KI-Nutzung weder skalierbar noch regulatorisch tragfähig ist. Der EU-AI-Act und weitere regulatorische Vorgaben erhöhen den Druck, KI-Anwendungen nachvollziehbar, kontrollierbar und dokumentierbar zu gestalten.

Governance-Strukturen definieren daher klare Regeln für den Einsatz von KI, legen Verantwortlichkeiten fest und sorgen dafür, dass Innovation innerhalb sicherer Leitplanken stattfindet. Governance wird damit zum Enabler für nachhaltige KI-Nutzung und nicht zum Innovationshemmnis.

5. Mitarbeiter befähigen, statt KI isoliert einführen

Neben Strukturen und Technologie entscheidet die Befähigung der Mitarbeiter über den Erfolg von KI-Initiativen. KI entfaltet ihren Nutzen nur dann, wenn Fachbereiche verstehen, wie sie eingesetzt wird, wo ihre Grenzen liegen und wie Ergebnisse einzuordnen sind.

2026 investieren Unternehmen verstärkt in Schulung, Sensibilisierung und Change Management, um KI in der Fläche wirksam zu machen. Ziel ist eine souveräne Nutzung, bei der Mitarbeiter KI als Unterstützung begreifen und die Verantwortung für Entscheidungen behalten.

6. Plattformstrategien ersetzen unkoordinierten KI-Einsatz

Auch die IT-Organisationen entwickeln sich weiter. Statt vieler paralleler Experimente setzen Unternehmen zunehmend auf konsistente KI-Plattformstrategien. Diese bündeln Daten, Modelle, Sicherheitsmechanismen und Integrationslogiken in einer übergreifenden Architektur. So lassen sich Innovationen schneller skalieren, Risiken besser kontrollieren und Abhängigkeiten reduzieren. KI wird damit zu einem festen Bestandteil der IT-Landschaft und nicht länger als isolierte Speziallösung betrachtet.

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7. KI-Anwendungen entlang der Customer Journey

Ein zentrales Einsatzfeld von KI bleibt 2026 die Unterstützung kundenbezogener Prozesse. In Marketing, Vertrieb und Service ermöglicht KI eine personalisierte Ansprache, eine intelligentere Steuerung von Aktivitäten und effizientere Serviceprozesse.

Besonders in hybriden Betreuungsmodellen unterstützt KI dabei, knappe Ressourcen gezielt einzusetzen und Kundenerwartungen konsistent zu erfüllen. Entscheidend ist, dass diese Anwendungen nicht isoliert entstehen, sondern eng mit Geschäftsmodellen, Prozessen und Systemlandschaften verzahnt sind.

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8. KI in regulatorischen und rechtlichen Prozessen

Parallel gewinnt der Einsatz von KI in regulatorischen und rechtlichen Anwendungsbereichen deutlich an Bedeutung. Sprachmodelle eignen sich hervorragend zur Analyse umfangreicher Textdokumente, zur Unterstützung von Compliance-Prüfungen oder zur strukturierten Aufbereitung regulatorischer Anforderungen. Gerade in stark regulierten Branchen entsteht hier ein erheblicher Effizienz- und Qualitätsgewinn. Voraussetzung ist jedoch eine kontrollierte Nutzung, die Transparenz, Revisionssicherheit und regulatorische Konformität gewährleistet.

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Fazit: Mehrwert schaffen durch strukturierte KI-Einführung mit Consileon

Die KI-Trends 2026 zeigen klar: Der wirtschaftliche Nutzen von KI entsteht nicht durch einzelne Tools oder schnelle Experimente, sondern durch eine ganzheitliche Gestaltung aus Technologie, Governance, Organisation und Prozessen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, leistungsfähige KI-Modelle und agentische Systeme produktiv einzusetzen, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und ihre Mitarbeiter mit einzubinden.

Consileon unterstützt Unternehmen dabei, diese Herausforderungen strukturiert zu meistern. Mit einem klaren Fokus auf Geschäftsmodelle, Prozesse und messbaren Nutzen begleiten wir unsere Kunden von der strategischen Einordnung über Governance- und Plattformkonzepte bis hin zur konkreten Umsetzung von KI-Anwendungen. So wird KI nicht nur eingeführt, sondern auch nachhaltig wirksam – als integrierter Bestandteil der Unternehmenssteuerung und Wertschöpfung.

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