Das Project UNO  

Clearstream räumt sein deutsches Zentralverwahrermodell auf, um Settlements effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Das Projekt „Unified for New Opportunities“ (kurz: UNO) ist eine Initiative von Clearstream, mit dem Ziel, möglichst viele Wertpapiere T2S-fähig zu machen, den europäischen Wertpapierhandel auf die Abwicklungsdauer von einem Tag (T+1) zu verkürzen und somit Finanzgeschäfte effizienter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Project UNO kann für Ihr Unternehmen zum Booster der digitalen Transformation werden. Consileon unterstützt Sie dabei gerne ganzheitlich.

Zur besseren Verständlichkeit sind alle kursiven Fachbegriffe im Abkürzungsverzeichnis am Ende des Beitrags definiert. 

Was den Wandel jetzt antreibt  

Das CSDR-Refit erlaubt Zentralverwahrern erstmals, banknahe Dienstleistungen auszulagern und hat damit den regulatorischen Raum für innovative Modelle wie Project UNO geschaffen. Dringender Handlungsbedarf entsteht zugleich durch die Doppelstruktur aus CBF– und CBF-i­ -Konten: Medienbrüche, redundante Stammdaten und schubweise Liquiditätsabflüsse treiben die Betriebskosten nach oben. Hier setzt Project UNO an.

Clearstream hat den Zeitplan klar vorgegeben: Bis November 2026 muss jedes Institut ein sogenanntes CBL-Konto – also ein Verwahrkonto bei Clearstream Banking Luxembourg, dem internationalen Zentralverwahrer der Clearstream-Gruppe – benennen. Im Januar 2027 beginnt eine automatische Zwangsmigration aller Wertpapierbestände, die sich zu diesem Zeitpunkt noch auf alten CBF-i-Konten befinden. Ab März 2027 wird das CBF-i-Kontensystem endgültig abgeschaltet.

Project UNO im Überblick – ein zweistufiges Modell für maximale Effizienz 

UNO verfolgt ein klares Ziel: ein einziges, harmonisiertes CBF-Konto für alle Euro-Wertpapiertransaktionen, die über das europäische Abwicklungssystem T2S abgewickelt werden können. Ergänzend dazu wird ein verknüpftes CBL-Konto genutzt – für alle anderen Geschäfte wie Transaktionen in Fremdwährungen, Wertpapiere außerhalb von T2S oder Vorgänge im Zusammenhang mit Kreditvergaben. 1

Damit wird eine seit Jahrzehnten bestehende Schwachstelle behoben: Bisher mussten Institute zwischen zwei verschiedenen Kontostrukturen unterscheiden: den klassischen CBF-Konten mit vierstelligen Nummern für den deutschen Markt und den internationalen CBF-i-Konten mit sechsstelligen Nummern für grenzüberschreitende Geschäfte. Diese Trennung führte zu Medienbrüchen und ineffizienten Prozessen. 

Mit der Umstellung auf eine einheitliche Kontostruktur kann CBF seine Banklizenz zurückgeben, da künftig keine banktypischen Dienstleistungen wie Kreditvergabe mehr nötig sind. Dadurch wird auch das sogenannte regulatorische Kapital verringert, also die Menge an Eigenkapital, die CBF bisher vorhalten musste, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.  

Stattdessen übernimmt CBL eine neue Rolle als zentrale Plattform für Bankdienstleistungen innerhalb der Gruppe. Dank seiner Größe als internationaler Zentralverwahrer kann CBL grenzüberschreitende Zahlungen in verschiedenen Währungen (Multi-Währungs-Settlement) sowie Kredite effizient für alle verbundenen Marktteilnehmer abwickeln. 

Das CSDR-Refit war der entscheidende Türöffner, da sie erstmals das Delegieren banknaher Dienstleistungen an einen zweiten CSD – also einen anderen Zentralverwahrer – erlaubt.2

Technologie, die den Unterschied macht 

Herzstück der Transformation ist die erweiterte CBF-CBL-Gateway-Verbindung: Diese neue technische Infrastruktur sorgt dafür, dass Anweisungen für Transaktionen in Fremdwährungen (nicht in Euro) automatisch und ohne Verzögerung von CBF an CBL weitergeleitet werden. Dabei kommen internationale Datenformate nach dem Standard ISO 20022 zum Einsatz – ein einheitliches Format für Finanznachrichten, das weltweit einen reibungslosen Datenaustausch ermöglicht. 

Dank dieser vollautomatisierten Prozesse bleibt die sogenannte STP-Quote (Straight-Through Processing) hoch – das bedeutet, dass Transaktionen ohne manuelle Eingriffe abgewickelt werden. Risiken durch Verzögerungen oder fehlerhafte manuelle Dateneingaben entfallen damit vollständig.  

Neu ist auch die Erweiterung der NCSC-T-Klassifizierung für Wertpapiere – eine technische Einstufung, die es ermöglicht, bestimmte Wertpapiere, die bisher außerhalb des europäischen Abwicklungssystems („off-platform“ = nicht über T2S abgewickelt) gelagert waren, jetzt über das zentrale europäische System T2S abzuwickeln. Das bringt einen wichtigen Vorteil mit sich: Es ermöglicht eine Abwicklung in Zentralbankgeld, das als besonders sicher, stabil und risikoarm gilt. 

Das Ganze mündet im OneClearstream-Standard: Einheitliche Nachrichtenformate, harmonisierte Asset-Servicing-Prozesse und ein durchgängiger Steuer-Workflow ersetzen Legacy-Formate aus beiden Welten. Das Ergebnis: weniger Schnittstellen, höherer Automatisierungsgrad und globale Skalierbarkeit.

Ihr Mehrwert auf einen Blick 

Stolpersteine kennen – Erfolgsfaktoren nutzen 

Ohne klares Ziel-Account-Design verzögert sich der Schnittstellenumbau. Inkonsistente Mapping-Tabellen (ISIN, Tax-Forms, SSIs) provozieren Abwicklungsbrüche. Unterschätzter Testaufwand kann ganze Migrationswellen stoppen. Hinzu kommt eine Überlastung in Fachbereichen, die parallel ISO-20022-Projekte stemmen. Entscheidend sind deshalb vier Hebel: Erstens eine frühe Architekturentscheidung für die Verteilung der Flows auf CBF und CBL, zweitens stringente Master-Data-Governance noch vor Wave 0, drittens eine mehrstufige Test-Orchestrierung nach dem „Shift-left“-Prinzip und viertens ein konsequentes Change-Management mit Schulungen, kompakten Kurzanleitungen („Quick-Reference-Cards“) für den Arbeitsalltag und abgestimmter Kundenkommunikation. Wer diese Erfolgsfaktoren beherzigt, meistert die Migration planbar – und profitiert von Tag 1 an von einem effizienteren, risikoärmeren Post-Trade-Setup.

So unterstützt Consileon – Ihr Wegbegleiter von der Vorstudie bis zum stabilen Betrieb 

Die Umstellung auf Project UNO verlangt klare Transparenz über Ihre aktuelle Kontostruktur, einen fundierten Vergleich möglicher Migrationspfade und eine reibungslose technische Umsetzung. Mit unserem bewährten Vorgehensmodell begleiten wir Sie Schritt für Schritt, von der ersten Analyse bis zum Hypercare-Support nach dem Go-live. 

Sprechen Sie mit uns – in einem unverbindlichen UNO Readiness Check zeigen wir, wie Sie minimalinvasiv migrieren und gleichzeitig einen echten Vorsprung in Ihrer Digitalen Transformation erzielen. 


Abkürzungsverzeichnnis5

T+1 (Tage nach Handelstag + 1): Das ist der geplante Wertstellungsstandard. Ein Handel soll ein Tag nach dem Handelstag (T) erfolgen, um effizienter zu sein und Risiko zu vermindern. 

CSDR-Refit (Central Securities Depositories Regulation – Refit): CSDR-Refit ist die Aktualisierung der EU-Verordnung für Zentralverwahrer. Sie bringt neue Möglichkeiten zur Auslagerung banknaher Dienstleistungen mit sich. Das ist ein entscheidender Rahmen für Innovationen wie Project UNO. 

CBF-Konten: CBF-Konten sind nationale Verwahrkonten, die bei Clearstream Banking in Frankfurt geführt werden und die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen innerhalb Deutschlands ermöglichen. Sie orientieren sich an den spezifischen Regeln und Abläufen des deutschen Marktes. 

CBF-i-Konten: Im Gegensatz dazu stehen die CBF-i-Konten, die internationale Verwahrkonten innerhalb desselben Systems darstellen. Diese Konten wurden ins Leben gerufen, um grenzüberschreitende Transaktionen über das europäische Target2-Securities (T2S)-System zu ermöglichen. 

CBL: Clearstream Banking Luxembourg 

T2S: TARGET2-Securities (T2S) ist eine Plattform für die zentrale Abwicklung von Wertpapiergeschäften in der EU


Quellenverzeichnis

  1. Unified for New Opportunities ↩︎
  2. What is CSDR and how will you be affected | U.S. Bank, CSDR Settlement Discipline – Euroclear ↩︎
  3. TARGET2-Securities | Deutsche Bundesbank ↩︎
  4. The CSDs of the Deutsche Boerse Group Response Annex ↩︎
  5. All glossary entries ↩︎

In den vergangenen Jahren lag der Fokus bei dem Thema Nachhaltigkeit oftmals auf der Bekämpfung des Klimawandels. Dabei hat sich abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit eine viel größere Bedrohung für die Grundlage von Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt: der Verlust von Biodiversität in allen Ökosystemen der Welt.

Zur Einordnung: Bereits 2020 hatte das World Economic Forum in einem Bericht1 darauf hingewiesen, dass mehr als die Hälfte des globalen BIP von der Natur und von Naturdienstleistungen abhängt und die Menschheit damit einem nicht zu unterschätzenden Risiko durch Biodiversitätsverlust ausgesetzt ist.

Globale Ziele zum Schutz der Biodiversität bereits vereinbart – Finanzierung nach wie vor ungeklärt

Im Jahr 2022 war auf der 15. Weltnaturkonferenz (CBD COP 15) mit dem „Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework“ ein erster Meilenstein zum Schutz der Biodiversität beschlossen worden, in dem vier langfristige und 23 mittelfristige Ziele formuliert sind. Das Wichtigste unter ihnen: Bis 2030 sollen mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz gestellt werden. Ferner sollten bis 2025 jährlich 20 Milliarden US-Dollar aus Ländern des Globalen Nordens in den Globalen Süden fließen. Auch die Finanzindustrie wird explizit genannt, mit dem Ziel, die negativen Auswirkungen von Wirtschaft und Finanzwesen auf die Biodiversität zu verringern und die positiven Einflüsse zu steigern.

Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die 16. Weltnaturkonferenz, die vom 21. Oktober bis zum 1. November 2024 in Kolumbien stattfand. Ziel war es, eine Strategie zu entwickeln, wie Natur- und Umweltschutz finanziert werden kann. In dieser zentralen Frage konnte jedoch keine Einigung erlangt werden. Trotzdem können und müssen Banken wie auch Finanzdienstleister bereits jetzt ihren Beitrag leisten, um den weltweiten Biodiversitätsverlust aufzuhalten.

Der erste Schritt dabei ist die Integration der Biodiversitätsrisiken und -chancen in die Strategien und das Risikomanagement. Eine hohe Portfolio-Allokation in Branchen, die durch eine besonders starke Abhängigkeit von Naturkapital geprägt sind – etwa die Baubranche, die Agrarindustrie oder die Lebensmittelindustrie – kann langfristige Folgen für die Risikotragfähigkeit haben. Die frühzeitige Berücksichtigung dieser Risiken wie auch deren Management durch konkrete Maßnahmen sind daher sinnvoll und können sogar zur Erschließung neuer Geschäftsfelder führen. Mögliche Maßnahmen sind eine Transformationsbegleitung von Kunden oder das Angebot von naturpositiven Produkten und Dienstleistungen. Die BBVA hat beispielsweise in 2024 die erste Biodiversitätsanleihe ausgegeben.

Wichtig ist dabei, dass die Berücksichtigung der wesentlichen Biodiversitätsrisiken bereits eine Anforderung der Bankenaufsicht ist, die ab 2025 auch in den Prüfungsfokus rückt. Doch im europäischen Vergleich hinken deutsche Banken hinterher, während niederländische oder französische Kreditinstitute Biodiversitätsrisiken bereits flächendeckend in ihre Strategien und die Risikomanagementprozesse integriert haben. Beispielsweise hat die ABN AMRO einen Biodiversitäts-Aktionsplan entwickelt, der die Integration von Biodiversitätsaspekten in das Risikomanagement und die Bewertung von Geschäftskunden vorsieht. Ziel ist es, die negativen Auswirkungen auf die Biodiversität zu reduzieren und den positiven Einfluss zu maximieren.

Der Weg zur Integration der Biodiversitätsrisiken und -chancen: Sie sind nicht allein

Ein zentrales Problem ist, dass Biodiversitätsrisiken und -chancen selbst bei Kreditinstituten mit ähnlicher Größe und Kundenstruktur (beispielsweise im Fall mittelständischer Unternehmen) stark variieren können. Der Grund dafür sind regionale Unterschiede (Kunden in Küstenregionen gegenüber jenen in den Alpen) oder sektorspezifische Unterschiede (Baubranche versus Landwirtschaft). Dadurch variieren auch die Key Risk Indicators, um die Risiken messbar zu machen, stark. Forscherinnen und Forscher der Universität Stockholm haben am Beispiel der Bergbauindustrie illustriert, dass ähnliche Aktivitäten sehr unterschiedliche Auswirkungen auf das Erdsystem haben können, abhängig vom Standort2. Dafür nutzten sie den Earth System Impact Score (ESI) und verdeutlichten so die Notwendigkeit von sektorspezifischen und standortbezogenen Risikoindikatoren.

Was können Finanzinstitute nun tun, um Biodiversitätsrisiken zu berücksichtigen und zu einem Teil der Lösung dieser globalen Herausforderungen zu werden? Es gibt bereits Rahmenwerke, um naturbezogene Risiken und Chancen in die Strategie- und Risikoprozesse zu integrieren und eine informierte Entscheidungsfindung zu unterstützen. Ein konkretes Vorgehen unter Mitwirkung unseres Consileon-Expertenteams, orientiert am LEAP-Ansatz (Localize, Evaluate, Assess, Prepare) der TNFD3 (Task Force on Nature-related Financial Disclosure), kann dabei folgendermaßen aussehen:

  1. Screening der Portfolios und Sortierung in Sektoren und Regionen; Zuordnung zu Aktivitäten mit besonderer Abhängigkeit von Ökosystemen; Identifizierung betroffener Ökosysteme
  2. Identifizierung der tatsächlichen Abhängigkeiten von Ökosystemen und Analyse, welche Risiken und Chancen dabei auf das Unternehmen wirken
  3. Analyse, welche positiven und negativen Wirkungen ein Unternehmen auf die Natur hat
  4. Bewertung und Priorisierung der Risiken und Chancen im Rahmen einer Wesentlichkeitsanalyse
  5. Integration in die Risikomanagementsysteme
  6. Ableitung eines Maßnahmenkatalogs mit Fokus auf Maßnahmen im Risikomanagement in der Strategie und den Geschäftsfeldern
  7. Einführung von Messindikatoren inklusive Zielsetzung und Performance-Messung
  8. Integration in das interne und externe Reporting

Sprechen Sie uns an, wenn Sie mehr über den Themenkomplex Biodiversität erfahren möchten. Gerne unterstützen wir Sie dabei, die Biodiversitätsrisiken und -chancen in Ihrem Portfolio zu erkennen und einen Maßnahmenplan zu entwickeln.

Quellenverzeichnis

  1. Half of World’s GDP Moderately or Highly Dependent on Nature, Says New Report. (o. D.). World Economic Forum ↩︎
  2. New system guides businesses to act within planetary boundaries. (2024, 8. Januar). Stockholm Resilience Centre. ↩︎
  3. EPLS Design. (2023, October 1). Guidance on the identification and assessment of nature-related issues: the LEAP approach – TNFD. Taskforce on Nature-related Financial Disclosures. ↩︎