Ein Interview mit Dr. Michael Ullmann, Geschäftsbereichsleiter Healthcare bei Consileon
Mit der NIS2-Richtlinie rücken IT-Sicherheit und Cyberresilienz endgültig in den Fokus des Gesundheitswesens. Krankenhäuser stehen vor der Herausforderung, umfassende Anforderungen umzusetzen: dauerhaft, sanktionsbewehrt und unter hoher Verantwortung der Geschäftsführung. Dr. Michael Ullmann erläutert im Interview, warum NIS2 keinen Aufschub mehr duldet, wie Künstliche Intelligenz die Umsetzung unterstützen kann und was jetzt zu tun ist.
Herr Dr. Ullmann, was verändert sich durch NIS2 für Krankenhäuser?
Kurz gesagt: fast alles. Die Zeiten selektiver Regulierung sind vorbei. Mit NIS2 sind nahezu alle Krankenhäuser in Deutschland betroffen, unabhängig von Bettenzahl oder KRITIS-Einstufung. Entscheidend ist künftig die Unternehmensgröße, also insbesondere die Anzahl der Mitarbeiter. Das bedeutet: Cybersicherheit wird zur verpflichtenden Daueraufgabe. Die Geschäftsleitung trägt die Verantwortung persönlich und kann sie nicht delegieren.
Was genau fordert NIS2 von den Einrichtungen?
Es geht nicht nur um technische Schutzmaßnahmen, sondern um ein umfassendes Sicherheits- und Governance-Framework. Dazu zählen unter anderem Risikobewertungen, Business-Continuity-Konzepte, Meldepflichten bei Vorfällen, Absicherung der Lieferketten, kontinuierliche Schulungen und vor allem: eine lückenlose Dokumentation. Krankenhäuser müssen jederzeit nachweisen können, dass sie compliant sind, auch ohne konkreten Vorfall.
Warum ist das für viele Häuser so schwer umsetzbar?
Weil der Aufwand enorm ist. Die initialen Kosten nur für die Umsetzung der B3S-Richtlinien liegen laut Studien im ersten Jahr der Umsetzung schon bei bis zu zwei Millionen Euro pro Krankenhaus. Die NIS-2-Umsetzung wird geschätzt noch teurer werden. Hinzu kommen laufende Aufwände, personelle Engpässe und fehlende Erfahrung mit regulatorischen Anforderungen auf diesem Niveau. Klassische, meist manuelle Ansätze stoßen da schnell an Grenzen: Sie sind nicht skalierbar, nicht wirtschaftlich und liefern der Führungsebene kaum verwertbare Steuerungsgrundlagen.
Wie kann KI hier konkret helfen?
KI-gestützte Systeme ermöglichen erstmals eine strukturierte, konsistente und reproduzierbare Auswertung regulatorischer Anforderungen. Konkret heißt das: Wir können große Mengen an Richtlinien, SOPs, Risikoanalysen oder Vertragsdokumenten automatisch analysieren, mit den Anforderungen aus NIS2 abgleichen und aufzeigen, wo Lücken bestehen. Damit schaffen wir Transparenz, reduzieren den manuellen Aufwand und liefern eine belastbare Grundlage für Entscheidungen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Ja – unser „Regulatorik-Radar“ ist genau dafür entwickelt worden. Es handelt sich um eine KI-gestützte Lösung, die auf Basis eines mehrstufigen Agentenansatzes regulatorische Anforderungen mit vorliegenden Krankenhausdokumenten abgleicht. Die Ergebnisse sind nachvollziehbar begründet, referenzieren direkt auf relevante Stellen in den Dokumenten und unterstützen bei Reporting, Audit-Vorbereitung und Priorisierung. Der Mensch bleibt im Loop, aber er wird entlastet und besser informiert.
Welche Vorteile bringt das für Krankenhäuser?
Ganz konkret: weniger Abhängigkeit von externen Beratungsleistungen, geringerer interner Aufwand, mehr Sicherheit bei Auditvorbereitungen und die Möglichkeit, Compliance als steuerbaren Prozess zu etablieren. Vorstände und Geschäftsführungen erhalten endlich einen Überblick über Umsetzungsstand und Risiken und können gezielt handeln, statt nur zu reagieren. In Zeiten knapper Ressourcen und wachsender Anforderungen ist das ein echter Hebel.
Was empfehlen Sie Einrichtungen, die noch ganz am Anfang stehen?
Bloß nicht warten. Jetzt ist der Zeitpunkt, strukturiert zu starten. Viele Häuser unterschätzen, wie schnell die Meldepflichten greifen und welche persönlichen Haftungsrisiken bestehen. Mit gezielter Beratung und der richtigen technologischen Unterstützung lässt sich der Weg zur Compliance deutlich effizienter und sicherer gestalten. Unsere Empfehlung: Betroffenheit klären, Umsetzungsstand analysieren, Lücken identifizieren und mit Augenmaß handeln.
NIS2-Compliance mit Consileon: strukturiert, effizient, KI-gestützt
Consileon unterstützt Krankenhäuser bei der Umsetzung von NIS2 mit regulatorischer Fachkompetenz, fundierter Erfahrung im Krankenhaussektor und modernster KI-Technologie. Das Regulatorik-Radar bietet eine skalierbare Lösung zur Analyse, Dokumentation und Steuerung aller relevanten Anforderungen.