Ein Interview mit Leon Seelbach, Senior Consultant Automotive bei Consileon

Die Automobilzulieferkette steht unter Druck. OEMs fordern ihre Zulieferer zunehmend aktiv zur Anbindung an standardisierte Datenräume auf. Mit Catena-X hat sich in der Branche ein Ökosystem etabliert, das genau diesen strukturierten, sicheren und standardisierten Datenaustausch ermöglicht. Acht der zehn größten Automobilzulieferer weltweit tauschen bereits Daten darüber aus.

Für viele kleine und mittelständische Zulieferer blieb Catena-X bislang ein Thema, das zwar bekannt war, jedoch nicht konsequent angegangen wurde. Manche Unternehmen haben bereits davon gehört, andere haben konkrete Anforderungen eines Automobilherstellers erhalten. In der Praxis wurden diese Signale häufig vertagt, nach dem Minimalprinzip beantwortet oder als reine Pflichtaufgabe behandelt. Genau hier entsteht das Problem: Catena-X wird vor allem als zusätzlicher Kostenblock wahrgenommen, nicht als Chance, Datenprozesse zu verbessern, manuelle Aufwände zu reduzieren und die eigene Position gegenüber OEMs zu stärken.

Der Data Space Accelerator hat diese Herausforderung zuletzt greifbarer gemacht. Das von IDSA, Catena-X und Cofinity-X initiierte Programm rückte die Frage in den Mittelpunkt, wie mittelständische Automobilzulieferer strukturiert in Catena-X eingeführt werden können. Die Förderung war dabei ein sichtbarer Impuls. Der eigentliche Handlungsdruck liegt jedoch tiefer: Unternehmen müssen entscheiden, ob sie Catena-X nur als kurzfristige Compliance-Anforderung behandeln oder als Anlass nutzen, Datenprozesse, Verantwortlichkeiten und interne Kompetenzen nachhaltig aufzubauen.

Gleichzeitig darf der Einstieg nicht unterschätzt werden. Die Implementierung von Catena-X ist kein reines Plug-and-play-Projekt, sondern erfordert Zeit, interne Kapazitäten und klare Verantwortlichkeiten. Unternehmen müssen prüfen, welche Daten benötigt werden, wo sie liegen, in welcher Qualität sie verfügbar sind und wie sie künftig automatisiert bereitgestellt werden können. Hinzu kommen technische Fragen zu Connectoren, Schnittstellen und geeigneten Business-Apps. Wer diesen Aufwand realistisch einordnet und frühzeitig Fachbereich, IT, Management und Compliance einbindet, schafft die Grundlage dafür, dass Catena-X nicht zusätzlichen manuellen Aufwand erzeugt, sondern langfristig Prozesse vereinfacht.

Leon Seelbach begleitet bei Consileon Unternehmen auf diesem Weg. Im Interview erklärt er, warum das Thema auch nach der ersten Bewerbungsfrist relevant bleibt, welche Nutzenpotenziale Zulieferer realistisch erwarten können und warum Catena-X nicht allein in der IT verankert werden darf.

Herr Seelbach, warum ist Catena-X gerade jetzt für Zulieferer relevant, auch wenn die erste Bewerbungsfrist für den Data Space Accelerator bereits abgelaufen ist?

Der Data Space Accelerator war für viele Unternehmen ein konkreter Anlass, sich erstmals ernsthaft mit Catena-X auseinanderzusetzen. Die Förderung von 15.000 bis 30.000 EUR ist dabei natürlich attraktiv, aber nicht der eigentliche Kern. Viel wichtiger ist die Frage, ob ein Unternehmen grundsätzlich bereit ist, den standardisierten Datenaustausch mit OEMs und Partnern professionell aufzusetzen.

In einem Gespräch mit einem IT-Leiter eines mittelständischen Zulieferers wurde das sehr deutlich. Er sagte sinngemäß: „Wir bekommen heute immer mehr Datenanfragen von Kundenseite, aber intern ist jedes Mal unklar, wer die Daten liefern kann, aus welchem System sie stammen und ob sie wirklich aktuell sind.“ Genau an diesem Punkt wird Catena-X relevant. Es geht nicht nur um die Erfüllung einer externen Vorgabe, sondern darum, aus wiederkehrenden Einzelabfragen einen belastbaren, skalierbaren Prozess zu entwickeln und vor allem Vertrauen in diesen souveränen Datenaustausch zu schaffen.

Wer jetzt nicht handelt, verliert daher nicht nur eine Fördermöglichkeit. Er schwächt auch seine eigene Argumentation gegenüber Kunden. Wenn ein geförderter Einstieg möglich war und ein Unternehmen dennoch nicht aktiv wurde, wird es künftig schwerer sein zu erklären, warum Catena-X intern noch nicht vorbereitet ist. OEMs erwarten zunehmend belastbare Antworten darauf, wie Daten bereitgestellt, gepflegt und sicher ausgetauscht werden können.

Was bedeutet das konkret für mittelständische Zulieferer?

Für viele Zulieferer geht es zunächst um Vertrauen beim Datenaustausch. Heute werden Daten häufig manuell, uneinheitlich oder über individuelle Kundenprozesse bereitgestellt. Das verursacht Aufwand, Fehlerquellen und Abhängigkeiten von einzelnen Personen. Catena-X schafft die Möglichkeit, diesen Austausch standardisierter, nachvollziehbarer und skalierbarer aufzusetzen. Die Daten liegen trotzdem beim Zulieferer und können nur nach digitaler Vertragsverhandlung abgerufen werden, ähnlich wie die AGB-Akzeptierung bei einem Onlinekauf.

Der operative Nutzen entsteht genau dort, wo heute Reibung herrscht: bei manuellen Datenabfragen, Excel-Listen, E-Mail-Schleifen, wiederholten Rückfragen und uneinheitlichen Nachweisen. Wenn ein Use Case sauber eingerichtet ist, müssen Daten nicht bei jeder Anfrage neu zusammengesucht werden. Sie können strukturierter bereitgestellt, besser geprüft und schneller ausgetauscht werden. Das spart Zeit in den Fachbereichen, reduziert den Abstimmungsaufwand und schafft mehr Sicherheit gegenüber Kunden. Durch die kontinuierliche Nutzung von Catena-X wächst dann auch das Vertrauen gegenüber der Technologie und den Prozessen, denn ein Zulieferer macht sich nicht, wie so oft gedacht, dem OEM gegenüber gläsern.

Hinzu kommt ein strategischer Nutzen. Ein Catena-X-fähiger Zulieferer kann gegenüber OEMs und Tier-1-Kunden anders auftreten. Er zeigt, dass er Datenanforderungen nicht nur irgendwie erfüllt, sondern professionell, wiederholbar und anschlussfähig abbilden kann. Das kann bei Vergaben, Folgeaufträgen und strategischen Partnerschaften ein relevanter Vorteil sein.

Welche Rolle spielt dabei der Data Space Accelerator, wenn die erste Bewerbungsfrist mit dem 22.06. bereits verstrichen ist?

Das Programm bleibt als Signal wichtig. Es hat sehr deutlich gezeigt, wohin sich der Markt bewegt, und eine Teilnahme ist nicht ausgeschlossen. Die Branche erwartet nicht mehr nur punktuelle Datenlieferungen, sondern anschlussfähige Datenprozesse. Die Förderung war ein Anstoß, aber keine langfristige Strategie.

Neulich wurde dieser Druck auch in einem Kundengespräch spürbar, als es um künftige OEM-Anforderungen ging. Die eigentliche Frage des Kunden war nicht: „Wie kommen wir möglichst günstig in ein Förderprogramm?“, sondern: „Wie verhindern wir, dass wir bei jeder neuen Datenanforderung wieder bei Null anfangen?“ Genau das ist der entscheidende Perspektivwechsel. Catena-X sollte nicht als einmaliges Projekt verstanden werden, sondern als der Aufbau einer Fähigkeit, die künftig immer wieder gebraucht wird. Der ROI bei der Skalierung von Prozessen und mehreren Use Cases in Catena-X kann in mittelständisch agierenden Unternehmen die Förderungssumme weit übersteigen.

Unternehmen sollten deshalb jetzt nicht sagen: Die erste Frist ist vorbei, also ist das Thema erledigt. Im Gegenteil. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit und das Programm läuft weiter. Es geht darum, die eigenen Voraussetzungen zu prüfen, Stakeholder zusammenzubringen und zu entscheiden, wie Catena-X sinnvoll in bestehende Prozesse, Systeme und Verantwortlichkeiten integriert werden kann.

Welche Fragen sollten sich Unternehmen jetzt stellen?

Die erste Frage lautet: Welche Daten müssen wir künftig gegenüber Kunden, OEMs oder Partnern bereitstellen können? Danach folgt direkt die Frage, wo diese Daten heute liegen, wer dafür verantwortlich ist und in welcher Qualität sie verfügbar sind.

Viele Unternehmen stellen dann fest, dass das eigentliche Problem nicht der technische Anschluss an Catena-X ist. Die größere Herausforderung liegt häufig im Datenmanagement. Daten sind vorhanden, aber nicht ausreichend strukturiert, nicht eindeutig zugeordnet oder nur mit hohem manuellen Aufwand nutzbar. Genau hier entscheidet sich, ob Catena-X später entlastet oder zusätzlichen Aufwand verursacht.

Ein Geschäftsführer brachte es in einem Termin einmal sehr pragmatisch auf den Punkt: „Wir wollen nicht noch ein Tool, das am Ende nur Arbeit macht. Wir wollen weniger Rückfragen und mehr Klarheit darüber, welche Daten wir unseren Kunden bereitstellen können.“ Das ist aus meiner Sicht die richtige Haltung. Catena-X entfaltet seinen Wert erst dann, wenn es operative Prozesse vereinfacht und nicht nur eine zusätzliche Nachweispflicht erfüllt.

Welche internen Voraussetzungen sind besonders wichtig?

Catena-X darf nicht ausschließlich als IT-Projekt verstanden werden. Natürlich braucht es technische Ansprechpersonen, Application Management sowie eine passende Lösung. Aber genauso wichtig sind das Management, die Fachbereiche, die Compliance und die Datenverantwortlichen.

Ein Unternehmen muss klären, wer Entscheidungen trifft, wer Daten bereitstellt, wer die Qualität sichert und wer langfristig Wissen im Unternehmen aufbaut. Wenn diese Rollen fehlen, entsteht schnell Abhängigkeit von externen Dienstleistern oder einzelnen internen Experten. Nachhaltig ist Catena-X nur dann, wenn internes Know-how entsteht und die Organisation versteht, wie der Datenaustausch funktioniert.

Aus der Praxis wissen wir: Sobald Fachbereiche, IT und Management gemeinsam auf die Datenprozesse schauen, verändert sich die Diskussion. Dann geht es nicht mehr nur darum, einen Connector (EDC) anzubinden. Dann geht es um Fragen wie: Welche Datenprodukte benötigen wir künftig? Welche Prozesse können automatisiert werden? Wo vermeiden wir manuelle Arbeit? Und wie stellen wir sicher, dass Wissen nicht bei einzelnen Personen hängen bleibt?

Welche Fehler sehen Sie beim Einstieg besonders häufig?

Ein häufiger Fehler ist, Catena-X als kurzfristiges Compliance-Projekt zu behandeln. Dann wird versucht, eine einzelne Anforderung möglichst schnell zu erfüllen, oft mithilfe manueller Workarounds. Das funktioniert vielleicht für den ersten Nachweis, skaliert aber nicht.

Ein zweiter Fehler ist, den Nutzen zu spät zu berücksichtigen. Viele Unternehmen fragen zuerst: Was kostet uns das? Sie sollten aber auch fragen: Welche Prozesskosten können wir reduzieren? Wie kann ich einen Business Case aufbauen, den ich berechnen und optimieren kann? Wo schaffen wir eine bessere Basis für Kundenbeziehungen und zukünftige Ausschreibungen?

Gerade bei wiederkehrenden Kundenabfragen kann der Nutzen sehr konkret werden. Wenn Zertifikate, CO₂-Daten oder Rückverfolgbarkeitsinformationen standardisiert und automatisiert verfügbar sind, müssen Mitarbeiter nicht jedes Mal Daten zusammensuchen, prüfen und manuell versenden. Das reduziert nicht nur den Aufwand, sondern erhöht auch die Reaktionsgeschwindigkeit gegenüber Kunden. In einem zunehmend datengetriebenen Lieferantennetzwerk kann genau diese Geschwindigkeit zum Geschäftsvorteil werden.

Und ein dritter Fehler ist, die interne Abstimmung zu spät zu beginnen und unter Druck vorschnell zu reagieren. Wenn Fachbereiche, IT und Management erst eingebunden werden, sobald eine konkrete Kundenanforderung auf dem Tisch liegt, ist der Zeitdruck meist schon hoch. Deshalb sollte verhindert werden, das gesamte Thema auf die Personaldienstleistungen abzuladen und unüberlegte Lösungen und Applikationen einzukaufen. Catena-X sollte unternehmensintern an ein leichtgewichtiges Governance-Modell geknüpft werden und Entscheidungswege zu Kommunikation, Prozessen und Applikationsauswahl sollten vorab skizziert werden.

Welche Anwendungsfälle sind für mittelständische Zulieferer besonders relevant?

Ein sinnvoller Einstieg ist häufig das Company Certificate Management. Der Use Case adressiert grundlegende Anforderungen an Identität, Nachweise und strukturierte Datenbereitstellung. In der Praxis hilft er dabei, Zertifikate und Unternehmensnachweise schneller, konsistenter und nachvollziehbarer bereitzustellen. Das reduziert manuelle Nachfragen, vermeidet Versionsunklarheiten und schafft eine gute Grundlage für weitere Catena-X-Anwendungsfälle.

Ein weiterer Fokus: Der CO₂-Fußabdruck wird durch regulatorische Anforderungen und steigende Kundenerwartungen immer wichtiger. Für Zulieferer kann ein sauber aufgesetzter Product Carbon Footprint zur Geschäftschance werden: Wer belastbare CO₂-Daten schneller und verlässlicher liefern kann als der Wettbewerb, verbessert seine Position in Kundengesprächen und bei nachhaltigkeitsbezogenen Vergaben.

Auch der Digital Product Passport gewinnt regulatorisch an Bedeutung. Besonders deutlich wird das beim Battery Pass: Ab Februar 2027 müssen bestimmte Batteriegruppen, darunter Elektrofahrzeugbatterien und Industriebatterien, über einen digitalen Batteriepass verfügen. Für betroffene Unternehmen bedeutet das, produkt- und lebenszyklusbezogene Daten frühzeitig strukturiert, aktuell und nachvollziehbar bereitstellen zu können.

Traceability sowie Demand and Capacity Management zeigen zusätzlich, dass Catena-X nicht nur Compliance ist. Wenn Qualitäts-, Kapazitäts- und Bedarfssignale standardisiert ausgetauscht werden, können Unternehmen früher auf Engpässe oder Mängel reagieren, Planungsprozesse verbessern und Abstimmungen mit Kunden verlässlicher gestalten. Das wirkt sich direkt auf Lieferfähigkeit, Produktionsplanung und Kundenbindung aus.

Wo entstehen in der Praxis typischerweise Engpässe?

Die meisten Engpässe entstehen nicht beim ersten technischen Setup, sondern bei der Datenbereitstellung und der Prozessintegration. Unternehmen unterschätzen häufig, wie viel Abstimmung notwendig ist, bis Daten in der richtigen Qualität, Struktur und Aktualität vorliegen. Effizienzen können nur durch entsprechende Prozessautomatisierung gesteigert werden.

Ein weiterer Engpass ist die Auswahl der Lösung. Am Markt gibt es verschiedene Connectoren, Plattformen und Business-Apps. Für Unternehmen ist es nicht immer leicht zu beurteilen, welche Lösung zum eigenen Reifegrad, zur bestehenden Systemlandschaft und zu den erwarteten Kundenanforderungen passt. Hier ist unabhängige Beratung wichtig, damit nicht vorschnell eine Lösung gewählt wird, die später zusätzlichen Aufwand verursacht. Beispielsweise reicht ein EDC, also der Connector für Catena-X, nicht aus, um einen Use Case End-to-End umzusetzen.

In Kundengesprächen erleben wir häufig, dass die technische Frage zunächst sehr dominant ist. Nach den ersten Workshops zeigt sich aber oft: Die wichtigere Frage ist nicht „Welche App kaufen wir?“, sondern „Wie kommen unsere Daten verlässlich, automatisiert und ohne manuelle Umwege in diesen Prozess?“ Genau deshalb müssen technische Lösungen, Datenmanagement und operative Prozesse gemeinsam betrachtet werden.

Wie unterstützt Consileon Unternehmen konkret?

Wir unterstützen Unternehmen dabei, Catena-X strukturiert, nutzenorientiert und nachhaltig umzusetzen, und übernehmen auf Wunsch auch die Verantwortung für die konkrete Anbindung und Umsetzung. Das beginnt neben strukturiertem Wissensaufbau und der Entwicklung eines Governance-Rahmens mit einer realistischen Bestandsaufnahme: Welche Daten sind vorhanden? Welche Systeme sind relevant? Welche Anforderungen kommen von OEMs oder Tier-1-Kunden? Welche internen Rollen und Kapazitäten werden benötigt?

Darauf aufbauend begleiten wir die Auswahl geeigneter Use Cases und technischer Lösungen. Wir bringen Fachbereich, IT und Management zusammen, unterstützen beim Aufbau von Data Management und helfen mit ETL-Prozessen, automatisierte Datenpipelines statt manueller Einzelprozesse aufzusetzen. Unser Ziel ist nicht nur, einen Anschluss herzustellen, sondern auch die Umsetzung so zu gestalten, dass Unternehmen dauerhaft handlungsfähig werden und internes Wissen aufbauen.

Zusätzlich bieten wir bewusst keine eigene Softwarelösung an, um Catena-X umzusetzen. Wir arbeiten mit verschiedenen Lösungsanbietern zusammen und finden gemeinsam mit dem Kunden die passgenaue Lösung für seine Anforderungen. Dies kann sowohl in einer Eigenentwicklung als auch in der Beschaffung einzelner Infrastrukturkomponenten oder beim Einkauf einer SaaS-Applikation münden.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist dabei die Übersetzung zwischen den Perspektiven. Das Management möchte wissen, welchen Beitrag Catena-X zu Kundenfähigkeit, Vergabechancen und Zukunftssicherheit leistet. Die Fachbereiche wollen weniger manuelle Arbeit und klarere Prozesse. Die IT braucht eine Lösung, die zur Systemlandschaft passt und nicht dauerhaft Sonderaufwand verursacht. Unsere Aufgabe ist es, diese Perspektiven zusammenzuführen und daraus eine belastbare Umsetzungsroadmap zu entwickeln – bis hin zur verantwortlichen Umsetzung der Anbindung, gemeinsam mit den relevanten Teams auf Kundenseite.

Was ist aus Ihrer Sicht der größte Nutzen für Zulieferer?

Der größte Nutzen liegt in der Kombination aus Compliance, Effizienz und Geschäftschance. Unternehmen erfüllen Kundenanforderungen nicht mehr reaktiv, sondern schaffen eine belastbare Grundlage für den wiederkehrenden Datenaustausch. Sie reduzieren manuellen Aufwand, verbessern die Datenqualität und stärken ihre Position gegenüber OEMs und Partnern.

Ein eingerichteter Use Case kann sehr konkrete Effekte haben: weniger E-Mail-basierte Datenabfragen, weniger manuelle Nachweiserstellung, schnellere Reaktionszeiten gegenüber Kunden, bessere Transparenz über verfügbare Daten und eine höhere Anschlussfähigkeit an künftige OEM-Anforderungen. Das ist nicht nur interne Effizienz. Es kann auch beeinflussen, wie professionell ein Zulieferer in Ausschreibungen, Audits und strategischen Kundengesprächen wahrgenommen wird.

Catena-X kann damit vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil werden. Voraussetzung ist aber, dass Unternehmen das Thema ernsthaft angehen und nicht nur auf kurzfristige Förderung oder einzelne Nachweise schauen.

Welchen Rat geben Sie Unternehmen, die jetzt handeln möchten?

Starten Sie mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Prüfen Sie, welche Kundenanforderungen bereits bestehen oder in naher Zukunft eintreten. Klären Sie, welche Daten dafür benötigt werden und wie diese heute erzeugt, gepflegt und ausgetauscht werden. Bringen Sie die relevanten Stakeholder an den Tisch und entwickeln Sie Vertrauen für das so sensible Thema Datenaustausch on demand über eine Technologie, wie Catena-X sie offeriert.

Danach sollten Unternehmen entscheiden, welche Use Cases fachlich und strategisch sinnvoll sind. Nicht jeder Anwendungsfall ist für jedes Unternehmen gleich relevant: Unternehmen, die mit energieintensiven Prozessen und Produkten arbeiten, können sich mit dem PCF-Use-Case auseinandersetzen; Batterieproduzenten sollten sich eher mit der kommenden EU-Regulierung und dem Batterie- bzw. Digitalen Produktpass beschäftigen. Die Grundlage für den Einstieg bildet jedoch stets der Zertifikatemanagement-Use-Case. Wichtig ist, mit einem klaren Zielbild zu starten und Catena-X nicht isoliert, sondern als Teil der eigenen Datenstrategie zu betrachten.

Wer jetzt strukturiert vorgeht, kann den Druck durch OEM-Anforderungen in einen echten Entwicklungsschritt verwandeln: weniger manuelle Prozesse, mehr interne Kompetenz, bessere Kundenfähigkeit und eine stärkere Position im automobilen Datenökosystem.

Catena-X mit Consileon: Von der Pflicht zur tragfähigen Datenstrategie

Consileon begleitet mittelständische Automobilzulieferer bei der strukturierten Umsetzung von Catena-X. Von der Reifegradanalyse über die Use-Case-Auswahl und unabhängige Lösungsberatung bis zum Aufbau belastbarer Datenprozesse unterstützt Consileon Unternehmen dabei, Compliance-Anforderungen zu erfüllen, internes Know-how aufzubauen und Datenaustausch dauerhaft effizient zu gestalten.

Im Mittelpunkt steht dabei nicht die kurzfristige Erfüllung einer Einzelanforderung, sondern der nachhaltige Aufbau von Datenfähigkeit: mit klaren Verantwortlichkeiten, automatisierten Pipelines, passenden Lösungen und einer Organisation, die Catena-X als Geschäftschance versteht.