Als die Anfrage kam, ob Consileon die Württemberger Köpfe 2026 unterstützen möchte, habe ich nicht geprüft, wie viele Kontakte pro investiertem Euro dabei herauskommen. Ich habe zugesagt, weil dieser Preis auszeichnet, was in den letzten Jahren leiser geworden ist: Menschen, die sich öffentlich für das demokratische Gemeinwesen einsetzen.
Der Anstoß kam über eine Kundenbeziehung. Aus einem Gespräch wurde eine Einladung, aus der Einladung eine Überzeugung.

Ein Preis, der Haltung auszeichnet
Die Württemberger Köpfe werden seit 2019 von der Württemberger Gesellschaft e. V. in Heilbronn verliehen. Die Gesellschaft wurde 2015 gegründet, versteht sich als überparteilicher Diskussionsclub und beruft sich auf vier Leitwerte: Freiheit, Hilfsbereitschaft, Menschlichkeit und Toleranz. Ihr Motto lautet „Age, quod agis“ – sinngemäß: was du tust, das tue richtig. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich durch herausragende Leistungen und vorbildhaftes Handeln um unsere Gesellschaft und unser demokratisches System verdient gemacht haben.
Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und gilt damit nach Angaben des Veranstalters als höchstdotierter Demokratiepreis Deutschlands. Bemerkenswerter als die Summe ist: Die Preisträger behalten das Geld nicht, sondern geben es an soziale Einrichtungen und an Projekte für Kinder und Jugendliche in der Region weiter. Der erste Preisträger war 2019 Günther Oettinger, 2024 wurde Joschka Fischer und 2025 Günther Jauch ausgezeichnet. Preisträgerin 2026 ist Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung. Parallel wird der Preis „Junge Köpfe“ verliehen, in diesem Jahr an den Verein DemokraTeaTime aus Herzberg am Harz.
Demokratie ist keine Kulisse, vor der Wirtschaft stattfindet
In unserem Beirat sitzen Menschen, die Demokratie aus der Praxis kennen: Dr. Klaus von Dohnanyi, unter anderem von 1981 bis 1988 Erster Bürgermeister Hamburgs, hat 2016 bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Gedenken an den Widerstand des 20. Juli einen Satz gesagt, der bei mir hängen geblieben ist:
„Wir müssen lernen, zur eigenen Meinung zu stehen. Wir müssen für die eigene Überzeugung einstehen, wo auch immer: im Betrieb, in der Partei, in der Kirche.“
Und, im selben Zusammenhang:
„Am Ende werden wir feststellen, dass die Demokratie von der Freiheit des Wortes lebt.“
Dohnanyi hat das ausdrücklich nicht nur auf Parlamente bezogen, sondern auch auf den Betrieb. Das trifft einen Punkt, den man in Unternehmen gern übersieht. Die Verantwortung, die eigene Meinung zu äußern, haben wir als Teil der Gesellschaft. Aber auch wir als Beratung leben davon, dass Menschen unbequeme Beobachtungen aussprechen. Gegenüber dem Kunden, gegenüber dem Projektleiter, gegenüber mir. Wer in einer Organisation nicht lernt, zur eigenen Meinung zu stehen, wird es in der Gesellschaft auch nicht tun. Und umgekehrt.
Demokratie ist für mich kein Thema neben dem Geschäft. Sie ist dessen Voraussetzung. Rechtsstaatlichkeit, Vertragssicherheit, verlässliche Verwaltung, offene Grenzen, freier Meinungsaustausch: Das sind keine weichen Werte, das ist die Infrastruktur, auf der Wohlstand entsteht. Wir merken das immer erst, wenn sie bröckelt.
Wir haben Tochtergesellschaften in Polen, in der Schweiz und in der Ukraine. Wer Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine hat, führt keine abstrakte Debatte über den Wert von Freiheit. Man führt sie in der Videokonferenz, wenn im Hintergrund der Alarm losgeht. Das verändert die Perspektive auf Sätze, die man vorher für Sonntagsrhetorik gehalten hätte.
Mitgestalten, nicht bloß mitlaufen
Die Vorsitzende unseres Beirats, Dr. h. c. Petra Roth, war von 1995 bis 2012 Oberbürgermeisterin von Frankfurt am Main und lange Präsidentin des Deutschen Städtetags. In einem Interview mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung zum Jubiläum „175 Jahre Paulskirche“ hat sie es 2023 so formuliert:
„Für die Zukunft wird Neuordnung gefordert. Für die Stadt und die Gesellschaft gilt: Mitgestalten, nicht bloß mitlaufen!“
Dieser Satz beschreibt den Unterschied zwischen einem Logo auf einer Sponsorenwand und einer Entscheidung. Mitlaufen wäre einfach: zustimmen, wenn andere über Demokratie reden, und danach zur Tagesordnung übergehen. Mitgestalten heißt, sichtbar Position zu beziehen, auch als Unternehmen, auch wenn niemand danach fragt.
Petra Roths Perspektive ist eine kommunale. Genau das passt zu diesem Preis: Demokratie entscheidet sich nicht in Berlin oder Brüssel, sondern in Städten, Vereinen, Schulen und Betrieben. Dort, wo Menschen einander kennen.
Wir sind von Karlsruhe geprägt, auch wenn wir weiter reichen
Consileon ist im DACH-Raum tätig, die Gruppe vereint Beratungshäuser aus fünf europäischen Ländern an rund fünfzehn Standorten, und unsere Projekte reichen von Versicherungen und Banken über Healthcare und Automotive bis in den öffentlichen Sektor. Aber unser Zuhause ist Karlsruhe, und das ist mehr als eine Adresse im Impressum.
Baden-Württemberg funktioniert als Wirtschaftsraum nicht über Konzernzentralen, sondern über eine ungewöhnliche Dichte an mittelständischen Unternehmen, die seit Generationen an einem Ort verankert sind. Diese Verankerung ist der eigentliche Standortvorteil und sie funktioniert nur, solange das Gemeinwesen um sie herum stabil ist. Wer hier wirtschaftet, hat ein handfestes Interesse daran, dass Demokratie mehr ist als eine Verfahrensfrage.
Die Region Heilbronn-Franken, in der die Württemberger Köpfe verliehen werden, ist dafür ein gutes Beispiel: Weltmarktführer neben Familienbetrieben, dazu ein KI-Standort im Aufbau. Dass sich ausgerechnet dort ein Kreis von Unternehmerinnen und Unternehmern zusammentut, um einen Demokratiepreis zu stiften, ist kein Zufall. Es ist ein Signal.
Am 8. Oktober in Heilbronn
Am Donnerstag, 8. Oktober 2026, wird der Preis in der Harmonie Heilbronn verliehen. Wir werden mit einer kleinen Delegation dabei sein, und wir bringen Gäste mit – Menschen, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten und denen dieses Thema ähnlich wichtig ist wie uns.
Ich freue mich auf diesen Abend. Auf die Preisträgerin, auf die jungen Köpfe, die zeigen, dass Demokratie nicht nur verteidigt, sondern auch gestaltet wird. Und auf ein Netzwerk von Menschen, die sich nicht damit begnügen, besorgt zu sein.
Denn am Ende gilt für Unternehmen dasselbe wie für Bürger: Mitgestalten, nicht bloß mitlaufen.
Quellen der Zitate und Faktenangaben
- Klaus von Dohnanyi, zitiert im Veranstaltungsbericht „Widerstand kommt immer zu spät“, Konrad-Adenauer-Stiftung, Forum 20. Juli 1944, 22. Juni 2016 – kas.de – Veranstaltungsbericht
- Petra Roth, Interview „Für die Stadt und die Gesellschaft gilt: Mitgestalten, nicht bloß mitlaufen!“, Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Mai 2023, anlässlich „175 Jahre Paulskirche“ – ghst.de – Interview Petra Roth