Wolfram Müller ist nicht nur Engpass-Berater bei Consileon, sondern auch Mitbegründer von BlueDolphin (www.blue-dolphin.world). Was es mit den Blauen Delphinen auf sich hat und wie sie Unternehmen helfen, effizienter und effektiver zu arbeiten, erklärt Wolfram Müller in diesem Interview.

Wolfram, was genau ist eigentlich BlueDolphin? 

Es handelt sich dabei um keine Firma, wie viele irrtümlich annehmen. BlueDolphin ist eine weltweite Community. Wir Mitglieder nennen uns untereinander „Delphine“. Unser Fokus ist Engpass-Management in der Produktentwicklung sowie selbstorganisierte, agile Transformation auf der Grundlage der Theory of Constraints (kurz: TOC). Wir tauschen uns regelmäßig intensiv zu Methoden und Vorgehenswesen aus und unterstützen uns gegenseitig bei Implementierungsprojekten.   

Wie kam es zur Gründung von BlueDolphin?  

Vor einigen Jahren hatte ich noch eine eigene Unternehmensberatung, die auf agile Transformation und Hyperperformance spezialisiert war. Dabei haben wir festgestellt, dass Transformation innerhalb eines Unternehmens am besten funktioniert, wenn man als Berater wenig vor Ort ist und wenn der Change aus sich heraus entsteht. Ein Kunde hatte uns nach Projektabschluss verraten, dass ihm fünf Beratertage statt drei Wochen auch gereicht hätten. Das machte mich nachdenklich.  

Und so kam es, dass du dich mehr mit dem Thema Selbstorganisation beschäftigt hast?

Genau. Ich habe mich sehr intensiv mit selbstorganisierten Changes, agilen Transformationen und Engpass-Management beschäftigt und mit Wissenschaftlern ausgetauscht. Parallel haben wir das zusammen mit Kunden validiert. Mittlerweile sind vier Bücher dazu erschienen und etliche Vorträge veröffentlicht; sogar Hersteller von Projektmanagementsoftware haben die Ideen übernommen.  
Diese Erkenntnisse waren für mich Augen öffnend. Dadurch habe ich viele Menschen auf der ganzen Welt kennengelernt, die ähnlich fasziniert davon waren wie ich – die Community hat sich wie von allein zusammengefunden. Am 21. Oktober 2019 haben wir ganz offiziell BlueDolphin gegründet.  

Drei Säulen bilden das Fundament für die BlueDolphin-Community:  

  1. Wir haben das Wissen, wie Transformationen zu Hyperperformance-Unternehmen funktionieren, und die Leute, die das schon einmal erlebt haben. 
  2. Dieses Wissen sollte jederzeit allen frei zugänglich sein – daher veröffentlichen wir alles unter einer sogenannten Creative-Commons-Lizenz by SA! 
  3. Wir unterstützen aktiv vor allem Unternehmen, die die Welt zu einem besseren Ort machen (wollen).   
     

Welche Leute gehören in das Netzwerk der Delphine – und woher kommen sie?  

Unser wichtigstes Medium ist LinkedIn. Hier posten wir regelmäßig neue Beiträge und stellen kostenlos Materialien zur Verfügung, die sich jeder runterladen kann. Jede Woche kommen etwa ein bis zwei neue Delphine hinzu. Das sind meist erfahrene Manager und Berater, die auf das klassische Beratungsgeschäft keine Lust mehr haben. Die neuen Delphine bringen meist eine konkrete Problemstellung oder einen Kunden mit. Typischerweise finden sie dann in unserem internationalen Netzwerk immer einen Delphin, der sie unter seine Fittiche bzw. Flossen nimmt und das Projekt mit ihnen gemeinsam durchzieht. Wir haben eine klar definierte Vorgehensweise, wie man Engpässe analysiert und das Top- und Mittelmanagement mit an Bord holt. Das ist der gemeinsame Rahmen – der „BlueDolphin-Prozess“. Damit alles seine Richtigkeit hat, werden die meisten Projekte über Consileon organisatorisch abgewickelt. 

Muss man eine Prüfung ablegen, um sich als BlueDolphin bezeichnen zu dürfen?

Bisher noch nicht. Es ist lediglich ein Letter of Intend notwendig. Darin verspricht man, dass man das Wissen nicht für Produkte oder Dienstleistungen verwendet, die der Menschheit schaden. Das ist die einzige Voraussetzung.  
Aktuell gibt es wöchentliche BootCamps, in denen Wissen vermittelt und ausgetauscht wird. Alle sechs Monate gibt es auch ein Gathering, bei dem alle Delphine weltweit zusammenkommen und in Arbeitsgruppen verschiedene Themen bearbeiten. Hier arbeiten wir auch an einer Art Zertifizierung. 

Welche Zukunftsvisionen hast du als Mitbegründer von BlueDolphin noch? 

Die Wichtigste ist, wie gesagt, möglichst viele Organisationen und Unternehmen zu unterstützen, die etwas Gutes für die Welt tun. Für solche Organisationen sind Analyse und Konzeptfindung kostenfrei. Ich wünsche mir, dass in Zukunft noch viele weitere Organisationen von diesem Angebot Gebrauch machen.  
Außerdem träume ich von „Local for Locals“-Gruppen in verschiedenen Ländern. Wenn sich beispielweise die indischen oder südamerikanischen Delfine träfen und die Idee weitertreiben und verbessern würden, das wäre großartig!  
Ein anderer Traum von mir wird in Kürze tatsächlich Wirklichkeit: Wir haben unsere Unterstützung inzwischen soweit verbessert und vereinfacht, dass wir ein leicht verständliches Einstiegsprodukt anbieten können. Dabei erklären wir die Grundlagen für einen Change nicht mehr innerhalb weniger Tage, sondern in unglaublichen acht Stunden! Direkt live am konkreten Fall. 

Transformation zum Höchstleistungsunternehmen in nur acht Stunden?  
Nicht schlecht. Viel Erfolg dabei.  
Und vielen Dank für das Gespräch!