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Das Ende des Zahlungsverkehrs, wie wir ihn kennen

Veröffentlicht am 18.01.2019
Autor: Christian Fasel, Thomas Reicks

Amazon, Apple & Co. auf dem Vormarsch?

Die Entwicklung des Zahlungsverkehrs in Deutschland ging über Jahre eher schleppend voran. In Geschäften bezahlen wir am liebsten mit Bargeld. Im Onlinehandel greifen wir meist auf die Möglichkeit der Zahlung auf Rechnung (Überweisung) oder der Abbuchung vom Konto (Lastschrift) zurück. Aktuelle, schnellere und einfachere Möglichkeiten wie Instant Payment sind gerade eingeführt worden, aber noch nicht flächendeckend verfügbar. Dies könnte sich bald ändern. Nicht nur, dass sich durch die Einführung der Payment Service Directive 2 (PSD 2) der europäische Markt des bargeldlosen Zahlungsverkehrs weiter für Fintechs öffnet, auch die Technologieriesen aus dem Silicon Valley haben den Finanzbereich als attraktive Einnahmequelle erkannt.

Immerhin sind sich die deutschen Banken der potenziellen Konkurrenz aus den USA bewusst. Laut einer Befragung der comdirect unter 50 Verantwortlichen aus Banken und Fintechs erwarten 90 Prozent der Banken und 24 Prozent der Fintechs einen Ertragsrückgang durch den Markteintritt der Technologieriesen Google, Amazon, Facebook und Apple (GAFA).

Der Zahlungsverkehr, der aufgrund der aktuellen Zinssituation eine wichtige Einnahmequelle der Banken ist, stellt somit einen attraktiven Bereich innerhalb der Finanzdienstleistungsbranche dar – insbesondere, da sich international bereits Lösungen der GAFA etabliert haben.

Google Pay

Google Pay vereint die Funktionen der Vorgänger-Apps Google Wallet und Android Pay. Zum einen dient die App als Bezahlservice im Internet, bei dem die Kreditkarte oder ein alternatives Zahlungssystem hinterlegt wird (Google Wallet); zum anderen als digitalisierte Art der Bank- und/oder Kreditkarte, mit der man direkt im Geschäft bezahlen kann (Android Pay). Zusätzlich haben die Nutzer die Möglichkeit, sich gegenseitig Geld via Angabe der Google-E-Mail-Adresse zu überweisen.

Android Pay war ab September 2015 in den USA verfügbar. Australien, Großbritannien, Singapur und Hongkong waren 2017 gefolgt, bevor Google die beiden oben aufgeführten Apps und deren Funktionen im gleichen Jahr vereinte.

Offiziell ist Google Pay seit dem 26. Juni 2018 auch in Deutschland verfügbar, wenngleich nur eingeschränkt. Wegen der notwendigen Hinterlegung einer Kreditkarte muss die Nutzung der App von den Kreditinstituten unterstützt werden. Zu ihnen zählen in Deutschland (Stand 12/2018) die comdirect, die Commerzbank, Wirecard, N26, die BW Bank und demnächst die DKB.

Amazon Pay

Amazon Pay möchte sich als Zahlungsdienstleister im Onlineshopping etablieren. Es soll als Alternative zu den herkömmlichen Zahlungsarten wie Lastschrift, Überweisung oder auch Paypal dienen. Der Vorteil für den Käufer ist, dass auf die bei Amazon hinterlegten Bezahlarten zurückgegriffen wird. Ein weiteres Kundenkonto inklusive der Angabe der Kontodaten oder der Kreditkartennummer ist nicht notwendig. Persönliche Daten sowie die Daten der entsprechenden Zahlungsoption sind somit nur innerhalb des meist schon vorhandenen Kontos bei Amazon einmalig anzugeben, was den Kunden in Bezug auf Bequemlichkeit und Datensicherheit zugutekommt.

Die Zahl der teilnehmenden Onlineshops ist zwar noch überschaubar, aber gerade der beworbene Käuferschutz, der dem eines direkten Einkaufs bei Amazon gleichkommt, soll die Kunden überzeugen und die Nutzeranzahl weiter steigern.

Facebook

Facebook ermöglicht den Nutzern der Messenger-App, kostenlos Geld an Freunde zu senden. Hierzu muss ein Abbuchungskonto oder eine Kreditkarte hinterlegt werden. Diese Bezahlfunktion ist aktuell allerdings nur in den USA, in Frankreich und Großbritannien verfügbar. Der genaue Zeitpunkt, wann diese Option auch für deutsche Facebook-Messenger-Nutzer zur Verfügung stehen wird, ist nicht bekannt. Nach eigenen Angaben möchte Facebook die Funktion schrittweise in den weltweiten Markt bringen.

Apple

Apple bietet seinen Nutzern mit den Mobile-Payment-Angeboten Apple Pay und Apple Pay Cash die gleichen Möglichkeiten wie der Wettbewerber Google beziehungsweise Android.
Mit Apple Pay ist das bargeldlose Bezahlen in Geschäften und online möglich. Apple Pay Cash bietet dem User die Peer-to-Peer-Zahlung.

Dafür fordert Apple einen Teil der Kreditkartengebühr von den Banken / Kreditkartenanbieter (in den USA bisher 0,15 Prozent des Umsatzes). Diese Gebühren führen zu harten Verhandlungen zwischen Apple und den nationalen Banken. Folgende Unternehmen unterstützen Apple Pay seit dem Marktstart: HypoVereinsbank, Deutsche Bank, comdirect, Hanseatic Bank, Fidor Bank, Vimpay, American Express, Bunq, Boon, O2 Banking (Fidor), N26 und Edenred.

Technisch gesehen stellen diese neuen Entwicklungen keine Revolutionierung des Zahlungsverkehrsmarkts dar, da vergleichbare bis identische Lösungen schon seit längerer Zeit von Banken, Fintechs oder anderen Finanzdienstleistungsunternehmen wie Paypal angeboten werden. Der Mehrwert und die Attraktivität der Lösungen für den Kunden ergeben sich hier aus einem anderen Grund.

Abbildung 1: Funktionsweise von Einkäufen/Zahlungen mit Wallet-Anbietern

Google, Amazon, Facebook und Apple sind fester Bestandteil unseres täglichen Lebens

Unabhängig von den verschiedenen Funktionen im Bereich Zahlungsverkehr haben die Unternehmen einen klaren Vorteil gegenüber herkömmlichen, klassischen Finanzdienstleistungsinstituten: Google, Amazon, Facebook und Apple haben sich weltweit eine einzigartige Markenpräsenz erarbeitet. Tagtäglich nutzen wir als Konsumenten diese Unternehmen und Produkte.

Apple und Google (Android) decken mit Ihren Betriebssystemen in Deutschland den Smartphone-Markt zu circa 99 Prozent ab, Amazon erzeugte im Jahr 2017 rund 53 Prozent der E-Commerce-Umsätze, und Facebook dient 31 Millionen Nutzern (September 2017) als Social-Media-Plattform.

Das zeigt: Die potenziellen Nutzer der Zahlungsverkehrslösungen sind bereits zum Großteil überzeugte Kunden dieser Unternehmen. Weitere Möglichkeiten, den Zahlungsverkehr über das allzeit griffbereite Smartphone oder über ein bereits vorhandenes Nutzerkonto abwickeln zu können, bringen eine größere Einfachheit und Bequemlichkeit mit sich.

Mit der Ausweitung Ihres Angebots um Zahlungsverkehrsfunktionen verfolgen die GAFAs klare Ziele: Es geht um Daten der Nutzer! Die zusätzlichen Daten darüber, wann der Nutzer was in welcher Menge und zu welchem Preis gekauft hat, ermöglichen es den Unternehmen, die Bedürfnisse der Konsumenten noch genauer zu identifizieren und (beispielsweise im Fall von Google und Facebook) noch stärker personifizierte Werbung anzeigen zu können.

Kooperationen von Banken und Fintechs: Beide können profitieren

Doch egal, worum es den GAFA-Unternehmen wirklich geht: Die Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen müssen aktiv werden. Sie müssen zeitnah neue und innovative Produkte anbieten. Allerdings ist dies für Banken vor dem Hintergrund oft veralteter und komplexer IT-Landschaften schwierig.

Die andere Seite der Medaille sind in diesem Kontext die Fintechs. Ideen für und die Umsetzung von technischen Innovationen stehen hier an erster Stelle. Sie an die Frau oder den Mann zu bringen, fällt Fintechs jedoch ohne einen vorhandenen Kundenstamm und angesichts des geringen Vertrauens gegenüber den meist noch jungen Unternehmen aufseiten der potenziellen Kunden schwer.

Die Lösung für die Probleme beider Seiten kann eine Kooperation der Unternehmen sein: Die Bank profitiert von den bereits vorhandenen technischen Entwicklungen, das Fintech-Unternehmen vom Kundenstamm der Bank und dem vorhandenen Vertrauen der Kunden gegenüber dem Institut.

Als sehr erfolgreich hat sich das System der Commerzbank erwiesen, die mit ihren Beteiligungstochterunternehmen CommerzVentures und Main Incubator in junge Fintechs investiert, sie bis zur Marktreife der neuen Produkte betreut und diese Produkte in das eigene Haus integriert. Eine Win-win-Situation also, von der am Ende insbesondere der Kunde profitiert.

Wird sich also der Zahlungsverkehr in Deutschland durch den Einstieg der GAFA-Unternehmen grundlegend ändern? Prinzipiell „jein“, da „noch“ auf die Infrastruktur der Banken zurückgegriffen wird. Daher besteht aktuell noch ein Zeit- und Handlungsspielraum, die Entwicklungen aktiv mitzugestalten.

Mit langjähriger Erfahrung steht Consileon Ihnen bei Herausforderungen und Chancen der Veränderungen im Zahlungsverkehr zur Seite. Gerne unterstützen wir Sie bei der Bewertung der unterschiedlichen Handlungsoptionen und begleiten Sie bei der Gestaltung von Prozessen und Produkten. Sprechen Sie uns an!

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