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Einführung eines Instant-Payment-Dienstes in Europa

Veröffentlicht am 15.04.2016

Instant-Payment-Dienste, also Dienste welche die sofortige Ausführung von Zahlungsaufträgen ermöglichen sollen, sind weltweit auf dem Vormarsch. In zahlreichen Ländern wie z.B. Australien, Kanada, Mexiko, Dänemark, Finnland, usw. wurden entsprechende Dienste bereits erfolgreich implementiert. Innerhalb von wenigen Sekunden wird die Zahlung auf dem Konto des Empfängers gutgeschrieben und verfügbar gemacht. Im Vergleich dazu ist das europäische SEPA-Verfahren mit seiner Standardvaluta von t+1 langsam.

In Europa arbeiten bereits einige internationale Clearingprovider wie z.B. EBA Clearing, Equens, Iberpay oder STET an ihren Infrastrukturlösungen für Instant Payments. Eine Herausforderung wird sein, eine Zerklüftung der unterschiedlichen europäischen Instant-Payment-Systeme zu verhindern. Mit diesem Ziel veröffentlichte das Euro Retail Payments Board (ERPB) bereits am 1.12.2014 die Minimalanforderungen an ein europäisches Instant-Payment-System:Clearingprovider_1
  • 24/7/365 Verfügbarkeit
  • (nahezu) sofortige Gutschrift auf dem Konto des Empfängers
  • Bestätigung der Ausführung an den Sender
  • sofortige Verwendungsmöglichkeit für den Empfänger

Der ERPB beauftragte das European Payment Council (EPC) mit der detaillierten Ausarbeitung, welches diese bis November 2016 fertigzustellen gedenkt. Eine darauf folgende dreimonatige Konsultationsphase ist im April 2016 gestartet. Das Instant-Payment-Regelwerk soll auf dem SEPA Credit Transfer (SCT) also der SEPA-Überweisung basieren und deshalb den Namen SCTinst tragen.

Instant Payments

Instant-Payment-Service am Beispiel EBA Clearing

EBA Clearing[1], ist ein Gemeinschaftsunternehmen von 64 europäischen Banken und verwaltet sowie betreibt die Zahlungsverkehrssysteme EURO1, STEP1 und STEP2, die eine effiziente, sichere und kostengünstige Infrastruktur für den Eurozahlungsverkehr bieten. Der ausgearbeitete Vorschlag sieht vor, dass die Teilnahme am europäischen Instant-Payment-System nach einer initialen Zertifizierung jedem regulierten Finanzunternehmen offen stehen sollte. Der vorgeschlagene Instant-Payment-Prozess besteht, wie der unten abgebildeten Darstellung zu entnehmen ist, aus insgesamt acht Schritten:

  1. Erstellung Zahlungsauftrag durch den Sender und Übergabe an Payment Service Provider (PSP)
  2. Weiterleitung des Zahlungsauftrags an den Instant-Payment-Clearing-Mechanismus
  3. Validierung des Instant-Payment-Zahlungsauftrags
  4. Anforderung der Bestätigung einer möglichen Gutschrift beim PSP des Empfängers
  5. Empfänger-PSP bestätigt, dass die Instant-Payment-Zahlung validiert und gutgeschrieben werden kann
  6. Damit ist der Transferauftrag zwischen Sender- und Empfänger-PSP bestätigt und
  7. sowohl Sender- als auch Empfänger-PSP erhalten eine Bestätigung vom Instant-Payment-Clearing-Provider dass die Zahlung garantiert ist und ausgeführt wird.
  8. Um den Prozess abzuschließen, bestätigen sowohl Sender- als auch Empfänger-PSP ihrem Kunden die erfolgreich durchgeführte Zahlung.

EBA Clearing schlägt vor, dass lediglich der Clearing-Prozess in Echtzeit erfolgt, der Settlement-Zyklus jedoch nicht für jede individuelle Zahlung sofort durchgeführt werden muss. Stattdessen soll eine feste Anzahl an Settlement-Zyklen pro Tag implementiert werden. Durch die Unwiderruflichkeit der Zahlung für den Kunden in Verbindung mit den verzögerten Interbanken-Settlement-Zyklen entstehen Kredit- und Liquiditätsrisiken für die angeschlossenen Banken, die über Regeln und Maßnahmen zu minimieren sind.

Der neue Vorschlag des EPC für die Konsultationsphase sieht daher in einem separaten Dokument vor, die Transaktionen initial auf 15.000 EUR zu beschränken. Bzgl. der minimalen Performance-Anforderungen wird spezifiziert, dass die Senderbank nach 10 Sekunden eine positive oder negative Bestätigung der Empfängerbank erhalten soll. Des Weiteren soll es für Ausnahmefälle einen Time-out nach 20 Sekunden geben.

Alternativ zur EBA Clearing arbeiten weitere nationale Clearinghäuser wie z.B. Equens an entsprechenden Infrastrukturlösungen auf Basis des SCTinst. Equens‘ Lösung wird durch eine White-Label-App für Smartphones vervollständigt, die Zahlungen an Handynummern über einen Alias-Konvertierungsservice ermöglicht. Equens plant die Auslieferung bereits für das zweite Quartal 2016.

Es bleibt spannend welche konkrete Ausgestaltung die Interbankenprozesse nehmen und welche zusätzlichen Services (Stichwort Apps für Kunden) entwickelt und angeboten werden. Inwiefern Instant Payment für Ihr Haus interessant ist sollten Sie in der Zwischenzeit klären. Dazu stellen sich u.a. folgende Fragen:

  • Für welche Kundensegmente kommt Instant Payment in unserem Haus in Frage
  • Wie grenzt sich der Instant-Payment-Service von bestehenden Services wie z.B. Giro Pay und Pay direct in unserem Produktportfolio ab
  • Welche Lösungen für Instant Payment werden meine bestehenden Clearinghäuser anbieten
  • Welche Anpassungen sind in meinen ZV-Systemen notwendig, um Instant Payment anbieten zu können
  • Gibt es kostengünstige White-Label-Produkte die für unsere Kunden genutzt werden können
  • Wie können die Instant Payments in die bestehenden Kundenfrontends integriert werden
  • Sollte unser Haus bereits in der Pilotphase an Instant Payments teilnehmen

Als erfahrener Partner unterstützt Consileon Sie gerne bei der Analyse Ihrer Prozesse, der Erstellung einer Bedarfsanalyse und Vorstudie, der konkreten Begleitung der Einführung bis hin zu weiteren Marktanalysen wie z.B. White-Label-Lösungen. Sprechen Sie uns an!

Thomas Reicks und Raphael Kellner

[1] nicht zu verwechseln mit der European Banking Association (EBA)

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